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Schlafmittel

Neue Schlafmittel: Orexin-Rezeptor-Antagonisten

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Benito Schilling

Veröffentlicht von Benito Schilling am 26.02.2020

Orexin-Rezeptor-Antagonisten sind die neusten Schlafmittel auf dem Markt und versprechen schnelleres Einschlafen, längere Nächte und keine Abhängigkeit.

In dieser Rubrik wollen wir euch aktuelle Informationen zu neuen Schlafmitteln vorstellen. Dazu verfolgen wir die neusten Berichte aus der aktuellen Schlafforschung und stellen euch hier neue Mittel vor, welche in wissenschaftlichen Studien getestet und bewertet wurden.

Natürlich sollten vor der Einnahme von Schlafmittel immer erst alle natürlichen Optionen ausgereizt werden, insbesondere Life-Style-ÄnderungenBesser einschlafen: 5 Tipps gegen Schlaflosigkeit, EntspannungstechnikenSchlaftipps, die dich wie ein Baby schlafen lassen! und pflanzliche StoffePflanzliche Schlafmittel: Wirksam oder Placebo? haben oft einen viel größeren und meist komplett nebenwirkungsfreien Effekt, als es chemische Schlafmittel haben.

Hier nun aber Informationen für Menschen, die sich auf Grund ihrer Schlafstörungen in ärztlicher Behandlung befinden und gegebenenfalls nach neuen Alternativen zu den bisher bekannten Arzneimitteln suchen, über welche sie mit ihrem behandelnden Arzt sprechen können.

Verschiedene Life-Style-Hacks und auch immer neue Medikamente, mit neuen Wirkorten im Körper können beim Ein- und Durchschlafen helfen.

Orexin

Das Hormon Orexin wurde vor nicht allzu langer Zeit entdeckt und hat im Körper eine Wirkung auf das Schlaf-Wach-Verhalten und den Energiehaushalt. Herausgefunden haben dies Wissenschaftler auf den USA und den Niederlanden, welche das Gehrinwasser von Narkopleptikern auf die Orexin-Konzentration untersuchten. Sie fanden, dass Menschen, die unter Narkolepsie (Schlafsucht)Narkolepsie: „Die Schlafsucht“ Schlafattacken und Müdigkeit leiden, einhergehend mit plötzlichen, nicht kontrollierbaren Schlafattacken, oft eine erniedrigte Konzentration des wach-machenden Orexins in ihrem Gehirnwasser haben.

Über welche physiologischen Mechanismen Orexin eine wach-machende Wirkung hat ist bisher unklar. Forscher vermuten, dass Orexin den Monoamin-Tonus im Körper steigert. Monoamine sind verschiedene Neurotransmitter, wie zum Beispiel Adrenalin, welche eine wach-machende Wirkung im Körper haben.

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Orexin

Von Griechisch: ὄρεξις („orexis“) – Verlangen, Appetit

 

Orexin ist ein Neurohormon, welches im Subthalamus, einem Teil des Hirns gebildet wird und im Körper den menschlichen Energiehaushalt, sowie die Wachheit beeinflusst. Bei dem Neurohormon handelt es sich um eine relativ „neue“ Substanz, da diese erst in den 90er Jahren entdeckt wurde.

 

Es existieren zwei Orexin-Hormone, Orexin-1 und Orexin-2. Diese sind auch unter der Bezeichnung Hypocretin-1 und Hypocretin-2 bekannt. Beide Hormone binden an so genannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren im Körper und entfalten darüber ihre Wirkung.

 

Orexin hat zum einen eine Wirkung auf das Schlaf-Wach-Verhalten. Hierbei wirkt Orexin wach-machend. Zum anderen hat Orexin eine Wirkung auf den Energiehaushalt, senkt hier den Energieverbrauch und wirkt appetitanregend.

Orexin-Rezeptor-Antagonisten

Was bedeutet Antagonist?

Orexin-Rezeptor-Antagonisten wirken, wie der Name schon sagt, am Orexin-Rezeptor. Allerdings ist diese Wirkung antagonistisch, das heißt, die Wirkung ist entgegengesetzt der Wirkung, die Orexin an diesem Rezeptor hätte. Bindet nun ein Mittel aus der Klasse der Orexin-Rezeptor-Antagonisten an einen Orexin-Rezeptor, mindert dieses Mittel die eigentliche Wirkung von Orexin und hat sogar einen gegenteiligen Effekt.

Da Orexin ein wach-machendes Neurohormon ist, haben sich Pharmakologen dieses Wissen zunutze gemacht und antagonistisch-wirkende Mittel entworfen, welche die gegensätzliche Wirkung haben, also müde machen. Diese neuen starken Schlafmittel versprechen in Tests eine bessere Wirkung als die viel genutzten Z-SubstanzenRezeptpflichtige Schlafmittel: (Neben-) Wirkungen und Abhängigkeit, bei einem ebenfalls geringen Abhängigkeitspotential.

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G-Protein-gekoppelte Rezeptoren

G-Protein-gekoppelte Rezeptoren sind eine Klasse von Rezeptoren, welche über eine intrazellulär ablaufende Signalkaskade ihre Wirkung vermitteln.

 

Dabei kann die Wirkung nach der Bindung eines Stoffes, wie zum Beispiel Orexin, an den Rezeptor über die direkte Ausschüttung von bestimmten Botenstoffen erfolgen, oder aber über die Aktivierung von Signalen, welche bestimmte Gene Aktivieren und darüber die Produktion bestimmter Proteine ankurbeln.

Medikamente

Orexin-Rezeptor-Antagonisten sind als verschreibungspflichtiges SchlafmittelRezeptpflichtige Schlafmittel: (Neben-) Wirkungen und Abhängigkeit in der Apotheke in Form von Schlaftabletten zu haben. Im Jahr 2014 wurde in den USA der Wirkstoff Suvorexant (Markenname Belsomra) zugelassen. Erst kürzlich im Jahr 2019 wurde ebenfalls in den USA der Wirkstoff Lemborexant (Markenname Dayvigo) zugelassen.

In zwei Phase-III-Studien (SUNRIS1 und 2) der Firma eisai, konnte gezeigt werden, dass Lemborexant gegenüber einem Placebo-Medikament, wie auch gegenüber einer Z-Substanz überlegen war. Die Probanden schliefen besser ein und durch, Entzugserscheinungen traten nicht auf und als häufigste Nebenwirkung wurden Kopfschmerzen beschrieben.

Indikation

Orexin-Rezeptor-Antagonisten werden für die Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen Schlafstörungen: Was hilft wirklich?eingesetzt.

Wirkung

Orexin-Rezeptor-Antagonisten haben eine schlaffördernde und dämpfende Wirkung. Diese wird durch die Bindung an G-Protein-gekoppelte Rezeptoren vermittelt. Es wird in der Wissenschaft unterschieden zwischen SORAs und DORAs, selektive Orexin-Rezepto-Antagonisten und duale Orexin-Rezeptor-Antagonisten. Diese binden entweder nur an einen der beiden Orexin-Rezeptoren (A oder B), oder an beide. Die bisher zugelassenen Medikamente sind DORAs.

Rezeptorantagonisten wie die neueren Schlafmittel verhindern die Weiterleitung von wach-machenden-Signalen zwischen Neuronen im Hirn.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Menschen, die an Narkolepsie leiden, sollten keinesfalls Orexin-Rezeptor-Antagonisten einnehmen.

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit und ein gemindertes Reaktionsvermögen am nächsten Tag, welches durch die relativ lange Halbwertzeit der Stoffe bedingt ist.

Fazit

Für Menschen mit einer diagnostizierten schweren Schlafstörung in ärztlicher Behandlung, mögen diese neuen Schlafmittel gegebenenfalls eine Option sein. Es existieren jedoch eine Reihe anderer Schlafmittel, die schon seit Jahren in Gebrauch sind und mit deren Handling Ärzte besser vertraut sind. Bei einem Versagen anderer Therapien, oder bei schweren Nebenwirkungen einer bestehenden Therapie, können Orexin-Rezeptor-Antagonisten in Erwägung gezogen werden.

orexin-group

Benito Schilling

Medizinstudent und Schlafexperte

Benito ist Medizinstudent und und interessiert sich für alle Themen rund um Gesundheit, Sport und Schlaf. Sein Nebenjob im Schlaflabor eines Uniklinikums bringt ihn in unmittelbare Nähe von Schlafexperten, Neurologen mit der Zusatzbezeichnung Schlafmediziner, welche er frei heraus zu medizinischen Schlafthemen befragt, sobald er bei seinen Recherchen auf Unklarheiten stößt. Er selbst versucht seinen Schlaf jede Nacht auf's Neue zu optimieren und findet, Schlaf sei aus medizinischer Sicht einer der interessantesten Teile der menschlichen Physiologie. Benito ist unser Experte für alle medizinischen Themen rund um Schlaf, Schlafprobleme und der Physiologie dahinter.

benito@besserschlafen.de