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Schlafmittel

Rezeptpflichtige Schlafmittel: (Neben-) Wirkungen und Abhängigkeit

Benito Schilling

Veröffentlicht von Benito Schilling am 30.04.2019

Es existieren eine ganze Reihe von rezeptpflichtigen Schlafmitteln, die für die Behandlung von Schlafproblemen und Schlaflosigkeit, sowie auch anderer Krankheiten, eingesetzt werden können. Die mitunter sehr starken Schlafmittel wirken unterschiedlich und weisen verschiedene Nebenwirkungen, wie meist hohe Abhängigkeitspotentiale auf. Neben gezielten nützlichen Einsätzen werden sie oft missbraucht und können in der Kombination mit Alkohol oder in Form einer Überdosis sogar tödlich wirken. Wie Benzodiazepine, Z-Substanzen, Antidepressiva und sonstige Stoffe wirken und wann diese zum Einsatz kommen sollten, ist Thema dieses Artikels.

Einsatzgebiete von rezeptpflichtigen Schlafmitteln

Schlafmittel sind solche Arzneimittel, welche beruhigen, eine schlaffördernde Wirkung haben und gegebenenfalls eine tiefe Betäubung hervorrufen können. Der Übergang von Sedativa (Beruhigungsmitteln), über Hypnotika (Schlafmitteln), zu Narkotika (Betäubungsmitteln) ist dabei fließend. Deshalb wird hier im Folgenden meist von Schlafmitteln gesprochen.

Neben der schlaffördernden Wirkung besitzen viele der Wirkstoffe noch völlig andere Eigenschaften und finden so Anwendung bei den verschiedensten medizinischen Indikationen. Diese reichen von Ein- und Durchschlafstörungen, über Schmerzen, Allergien, Depressionen bis hin zu Narkosen während einer Operation. Einige dieser Schlafmittel besitzen dabei primär eine schlaffördernde, sedierende Komponente, andere wiederum wirken nur sekundär schlaffördernd/sedierend und entfalten ihre primäre Wirkung als Antiallergikum (Antihistaminikum) oder Schmerzmittel (Analgetikum). Die Wirkstoffklasse der Antidepressiva wiederum findet, wie der Name schon sagt, ihren Einsatz eigentlich bei Depressionen, wird allerdings auch bei Schmerzen, vor allem neuropathischen (die Nerven betreffenden) Schmerzen angewandt.

Gemein haben alle diese Schmerzmittel, dass sie auf die eine oder anderen Art zentral wirken. Das heißt, sie wirken im Zentralnervensystem, da dort das Bewusstsein des Menschen sitzt und Schlaf über zentrale Mechanismen gesteuert wird.

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Rezeptpflicht

Rezeptpflicht ist immer ein Indiz dafür, wie gefährlich und nebenwirkungsreich ein Arzneimittel ist. Ungefährliche Arzneimittel können ohne Rezept in der Apotheke erworben werden. Die hier besprochenen rezeptpflichtigen Schlafmittel weisen alle ein mehr oder weniger großes Nebenwirkungsprofil auf. Viele davon besitzen ebenfalls ein hohes Abhängigkeitspotential, sodass eine Einnahme mit Bedacht und Vorsicht geschehen sollte. Die richtige Indikationsstellung und die Beratung durch einen Arzt ist natürlich obligat, auch da viele dieser Schlafmittel unter das Betäubungsmittelgesetzt fallen und nur unter strengen Bedingungen verschrieben und verkauft werden dürfen.

Benzodiazepine als Schlafmittel

Benzodiazepine, umgangssprachlich auch als „Benzos“ bezeichnet, werden in der Medizin bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt und leider auch immer wieder als Droge missbraucht. Neben der Anwendung bei Schlafstörungen können Sie auch bei Krampfanfällen (Epilepsie), Angst- und Spannungszuständen, sowie zur Prämedikation vor einer Operation eingesetzt werden. Benzodiazepine machen sehr schnell abhängig und dürfen deshalb nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur über einen relativ kurzen Zeitraum eingenommen werden.

Wirkungsweise von Benzodiazepinen

Benzos binden an den GABA-A-Rezeptor im Gehirn und verstärken so die Wirkung von GABA, einem natürlich im Körper vorkommenden Neurotransmitter. Dieser sorgt für die vermehrte Ausschüttung von Chlorid im Zentralnervensystem und verringert so die neuronale Erregbarkeit.

Dies führt zu folgenden Wirkungen:

  • Anxiolytisch: Angstlösend, bei Angst- und Spannungszuständen
  • Hypnotisch: Dabei wirken Benzos sedierend (schlaffördernd), amnestisch (Gedächtnisverlust) und analgetisch (schmerzstillend)
  • Zentral muskelrelaxierend: Bei Spastiken und Muskelverspannungen
  • Antikonvulsiv: Gegen Krämpfe bei Krampfanfällen

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Als schwerste Nebenwirkung ist das schon genannte hohe Abhängigkeitspotential zu nennen. Dabei weisen kurzwirksame Benzodiazepine wie Midazolam ein sehr hohes Abhängigkeitspotential auf. Langwirksame Benzodiazepine wie Diazepam weisen ein etwas erniedrigtes, jedoch immer noch hohes Abhängigkeitspotential auf. Ebenfalls kann es schnell zu einer Toleranzentwicklung kommen. Das heißt, die Dosis des Medikaments muss schon nach kurzer Zeit gesteigert werden, um einen Effekt zu haben. Dies beschleunigt wiederum die Gefahr einer Abhängigkeit.

Weiterhin können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Affektabflachung: Das bedeutet, es sind keine Gefühlsregungen wie spontane Freude oder Trauer mehr zu erkennen.
  • Gedächtnisverlust
  • Libidoverlust
  • Appetitsteigerung
  • Ein erhöhtes Sturzrisiko bei älteren Patienten
  • Muskelschwäche
  • Atemdepression
  • Hang-Over am nächsten Morgen
  • Paradoxe Erregung: Anstatt einer beruhigenden Wirkung, tritt eine Antriebssteigernde Wirkung ein.

Keinesfalls dürfen Benzodiazepine während einer Schwangerschaft, beim Vorliegen einer Atemdepression, einer schon bestehenden Abhängigkeit, sei es gegenüber Alkohol oder anderer Stoffe und bei verschiedenen neurologischen- und Augenerkrankungen eingenommen werden.

Benzodiazepine-Überdosierung und Alkohol

Eine Überdosierung allein mit Benzodiazepinen kann viele Symptome nach sich ziehen, endet aber meist nicht tödlich, weshalb auch viele Selbstmordversuche mit Schlaftabletten glücklicherweise erfolglos bleiben und Personen nach der Einnahme noch tief schlafend aufgefunden werden.

Werden Benzodiazepine mit Alkohol oder anderen Medikamenten und Drogen kombiniert, kann es allerdings schon bei geringen Dosen zu schwerwiegenden Symptomen kommen, die schnell in einer Atemdepression und einem Kreislaufversagen münden können. Bei einer solchen Überdosierung oder Mischintoxikation kann es zu Gangunsicherheiten, Koordinationsstörungen, Schwindel, einem Blutdruckabfall, Denkstörungen, sowie einer Atemdepression, die bis ins Koma führen kann, kommen. Letztere kann dann sogar tödlich enden.

Z-Substanzen: Wirkungsweise, Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotential

Zu den Z-Substanzen zählen drei verschiedene Medikamente, die alle mit Z anfangen und so zu dem umgangssprachlichen Namen beigetragen haben:

  • Zolpiden
  • Zopiclon
  • Zaleplon

Alle besitzen sie anderen chemische Eigenschaften als Benzodiazepine, binden jedoch an eine ähnliche Rezeptorbindestelle wie Benzodiazepine und haben so eine vergleichbare Wirkung. Sie wirken ebenfalls sedierend und hypnotisch, also schlaffördernd, besitzen allerdings eine geringere antikonvulsive und anxiolytische Wirkung als Benzodiazepine. Auch der Hang-Over Effekt am nächsten Tag ist weniger ausgeprägt. Eingesetzt werden diese Schlafmittel bei Schlafstörungen, insbesondere Einschlafstörungen.

Die Toleranz- und Abhängigkeitsentwicklung ist bei den Z-Substanzen etwas weniger ausgeprägt als bei den Benzodiazepinen. Allerdings sind viele Ärzte der Meinung, dass auch Z-Substanzen schnell zu einer Abhängigkeit führen können. Deshalb sollten auch diese Mittel nicht länger als vier Wochen am Stück eingenommen werden.

Antihistaminika als Schlafmittel

Rezeptpflichtige Antihistaminika weisen eine deutlich längere Halbwertszeit als die frei verkäuflichen Mittel auf. Daher kann es zu ausgeprägten Hang-Over-Effekten kommen, bei denen die Wirkung der als Schlafmittel eingesetzten Antihistaminika bis zum nächsten Morgen anhält und für Antriebslosigkeit und Tagesmüdigkeit sorgt. Eingesetzt werden diese langwirksamen Antihistaminika bei Angst-, Unruhe- und Spannungszuständen, sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Eines der rezeptpflichtigen Mittel, Promethazin, wirkt auch an zentralen Dopamin 2-Rezeptoren und wird deshalb mit zu den niedrigpotenten Antipsychiotika gezählt. Diese finden in der Behandlung von psychischen Erkrankungen Anwendung.

Studien zeigten, Antihistaminika können das Schlafmuster einer Nacht verändern und die für die psychische Regeneration wichtige REM-Phase unterdrücken. Weiterhin tritt wie bei anderen Schlafmitteln schnell ein Gewöhnungseffekt ein und Antihistaminika können nach wenigen Wochen bereits ihre Wirkung verlieren.

Studien zeigten, Antihistaminika können das Schlafmuster einer Nacht verändern und die für die psychische Regeneration wichtige REM-Phase unterdrücken. Weiterhin tritt wie bei anderen Schlafmitteln schnell ein Gewöhnungseffekt ein und Antihistaminika können nach wenigen Wochen bereits ihre Wirkung verlieren.

Antidepressiva in der Behandlung von Schlafstörungen

Normalerweise kommen Antidepressiva, wie der Name schon sagt, eher bei psychischen Krankheitsbildern wie der Depression zum Einsatz. Viele Antidepressiva haben zudem eine antriebssteigernde Wirkung und wären daher bei einem Einsatz als Schlafmittel völlig fehl am Platz. Allerdings gibt es einige wenige Antidepressiva, welche anstelle der antriebssteigernden Wirkung eine sedierende Wirkung aufweisen und so unter besonderen Umständen auch als Schlafmittel verschrieben werden können.

Dazu gehören:

  • Trizyklische Antidepressiva (TRZ) vom Amitryptilin-Typ
  • Mirtazepin

Beide besitzen sedierende Eigenschaften und können nebst Krankheitsbildern wie Depressionen, Angststörungen und Schmerzen auch bei Schlafstörungen eingesetzt werden. Wohl gemerkt werden diese aber nicht einfach so als Schlafmittel verordnet, meist erfolgt die Verordnung nur, wenn eine psychische Vorerkrankung die Schlafstörungen bedingt. Dies ist wichtig, da Antidepressiva mit einer ganzen Palette an Wirkungen und Nebenwirkungen kommen und eine Gabe dieser immer gut abgewogen werden sollte.

Erwünschte Wirkungen sind hier die Stimmungsaufhellung und eine leichte Sedierung, die den Schlafstörungen entgegenwirkt. Die Liste der unerwünschten Wirkungen ist umso länger:

  • Sexualstörungen (TRZ)
  • Gewichtszunahme
  • Anticholinerge Wirkungen wie: Mundtrockenheit, erhöhte Herzfrequenz, Verdauungsstörungen (TRZ)
  • Gefahr einer Überdosierung (TRZ)
  • Tagesmüdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Suizidalität

Narkotika und Hypnotika: Ketamin, Propofol, Barbiturate und Gase

Natürlich sind Narkotika nicht als normale Schlafmittel zu verwenden, sondern werden zur Narkose während einer Operation, oder zur tiefen Sedierung während kurzer medizinischer Eingriffe eingesetzt. Ein weltweit bekanntes Beispiel für die Untauglichkeit von Narkotika als Schlafmittel ist Michael Jackson, der „King of Pop“. Dieser ließ sich von seinem persönlichen Arzt jeden Abend Propofol intravenös verabreichen, um in einen tiefen Schlaf zu sinken und starb letztendlich an einem Herzstillstand. Da Narkotika aber nun doch irgendwie zu den Schlafmitteln zählen, gibt es hier eine kurze Übersicht der Wirkungsweisen und der Nebenwirkungen.

Ketamin

Ketamin wird intravenös verabreicht, wirkt im Hirn an NMDA-Rezeptoren und wird vor allem bei Notfällen zur Analgosedierung eingesetzt. Analgosedierung bedeutet, dass Ketamin schmerzstillend (Analgesie) und sedierend zugleich wirkt. Darin liegt auch schon die Besonderheit des Mittels, da andere Narkotika nur für eine tiefe Sedierung sorgen und nicht besondern schmerzstillend wirken. Eine weitere Besonderheit ist: Ketamin stabilisiert das Herz-Kreislauf-System und ist deswegen gerade bei Patienten indiziert, die nach einem Unfall zum Beispiel viel Blut verloren haben.

In der Clubszene wird Ketamin zudem als Droge missbraucht. Geschnupft führt es zu einem High, welches bis zu einem sogenannten K-Hole führen kann. Dies ist ein dissoziativer Zustand, bei dem der Konsument das Gefühl hat, Körper und Geist hätten sich getrennt.

Propofol

Propofol wird ebenfalls intravenös verabreicht und meist zur Einleitung von Narkosen benutzt, oder auch bei kürzeren, weniger invasiven Eingriffen wie zum Beispiel einer Magenspiegelung zur Sedierung benutzt. Es kann zu gefährlichen Blutdruckabfällen kommen und bedarf unbedingt einem intensiven Monitoring während der Gabe.

Barbiturate

Barbiturate wurden früher als Schlafmittel eingesetzt, finden aufgrund der vielen Risiken (Toxizität, Abhängigkeit) heute jedoch keine Verwendung mehr als solche. Intravenös verabreicht, werden sie noch manchmal als Narkotikum während Narkosen eingesetzt, da sie im Gegensatz zu anderen Narkotika den Hirndruck senken und so in besonderen Situationen von Vorteil sein können.

Desfluran/Sevofluran/Isofluran

Alle drei gehören zu den Inhalationsanästhetika, welche während einer Operation kontinuierlich vom Patienten eingeatmet werden, um diesen in einem Zustand tiefen Schlafes zu halten. Zusätzlich muss während einer Operation noch ein Schmerzmittel und ein Muskelrelaxans gegeben werden um den schlafenden Patienten ruhig und schmerzfrei zu halten.

Häufige Fragen zum Artikel

Quellenverzeichnis

Benito Schilling

Medizinstudent und Schlafexperte

Benito ist Medizinstudent und und interessiert sich für alle Themen rund um Gesundheit, Sport und Schlaf. Sein Nebenjob im Schlaflabor eines Uniklinikums bringt ihn in unmittelbare Nähe von Schlafexperten, Neurologen mit der Zusatzbezeichnung Schlafmediziner, welche er frei heraus zu medizinischen Schlafthemen befragt, sobald er bei seinen Recherchen auf Unklarheiten stößt. Er selbst versucht seinen Schlaf jede Nacht auf's Neue zu optimieren und findet, Schlaf sei aus medizinischer Sicht einer der interessantesten Teile der menschlichen Physiologie. Benito ist unser Experte für alle medizinischen Themen rund um Schlaf, Schlafprobleme und der Physiologie dahinter.

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