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Schlafmittel

Hypnose und Schlaf: Endlich wieder mühelos einschlafen?

Rike Zucker

Veröffentlicht von Rike Zucker am 07.05.2019

Wir kennen den Zustand des Wachseins in Abgrenzung zum Schlaf. Trance, Meditation und Hypnose hingegen, sind für uns schwieriger zu greifen und scheinen ihren eigenen Gesetzen zu folgen. Besonders Hypnose verbinden viele Menschen mit schwingenden Pendeln, Manipulation, Kontrollverlust und Show-Faktor. Tatsächlich ist Hypnose jedoch eine Möglichkeit, in Verbindung und Absprache mit unserem Unterbewusstsein Probleme zu erkennen und zu lösen. Auch im Bereich der Schlafstörungen gilt Hypnose deshalb als anerkanntes Mittel.

Was ist Hypnose?

Hypnose ist eine Form der Trance. Sie ist weniger weit vom Alltag entfernt, als viele denken. Denn der Trancezustand ist ein alltägliches Phänomen: Wir erleben ihn zum Beispiel, wenn wir ein spannendes Buch lesen oder einen Film im Kino schauen, der uns in seinen Bann zieht. Dabei vergessen wir unsere Umgebung, nehmen äußere Reize weniger intensiv wahr und sind sehr fokussiert. Auch am Steuer eines Autos kann es zu kurzen Trance-Phasen kommen.

Während einer solchen Trance-Periode ist man besonders empfänglich für Suggestionen – so erlebt man Filme während eines Kinobesuchs beispielsweise häufig als reale Erfahrungen.

Der hypnotische Zustand

Der Begriff Hypnose kommt vom altgriechischen Wort „Hypnos“ - zu Deutsch: Schlaf. Die Hypnose ist tatsächlich ein schlafähnlicher Zustand. So können kognitive Prozesse angestoßen werden, die im Wachzustand nicht möglich wären.

Im Schlaf befinden uns in einem Zustand der Entspannung. Unser Gehirn ist aktiv. Einige Reize, zum Beispiel im Bereich der Motorik, werden jedoch nicht ans Hirn weitergeleitet. Unser rationales Denken macht Pause, dafür arbeitet unser Unterbewusstsein umso intensiver.

Die Hypnose ist ein Zustand aktiven Erlebens. Dabei werden bestimmte Hirnaktivitäten stimuliert, die in diesem schlafähnlichen Zustand normalerweise nicht aktiv wären – zum Beispiel das Sprachzentrum.

Hypnose muss nicht immer etwas mit Pendeln zu tun haben.

Suggestion, Alpha-Rhythmen und das Unterbewusstsein

Hypnose ist ein sogenanntes suggestives Verfahren. Die suggerierten Situationen empfindet unser Unterbewusstsein als real und stuft sie als Erfahrungen ein, die direkt ihren Weg ins Langzeitgedächtnis finden. Es ist also ein Zustand gesteigerter Lernfähigkeit und bietet außerdem die Möglichkeit, direkt mit dem Unterbewusstsein zu kommunizieren.

Obwohl das Unterbewusstsein während einer Hypnose intensiv arbeitet, befindet man sich während einer Hypnose-Sitzung in tiefer Entspannung. Man spricht hierbei von einem „Alpha-Zustand“: In bestimmten Regionen des Gehirns verändern sich die Beta-Wellen zu Alpha-Wellen. Der Alpha-Rhythmus wird im Allgemeinen mit Entspannung und konzentrierter Aufmerksamkeit verbunden. Der Trancezustand zeigt sich auf einem EEG, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst, in Form von flachen, langsamen Wellen, die den Ruhemodus des Körpers belegen.

Eine Studie der Stanford University School of Medicine untersuchte 2016 die Auswirkung von Hypnose auf unser Gehirn. Dabei ließ sich eine Verbindung zwischen dem dorsolateralen präfontalen Cortex und dem Cortex insularis feststellen. Diese Verbindung ist eine Art Schnittstelle zwischen Gehirn und Körper, die es dem Gehirn möglich macht, organische Vorgänge zu beeinflussen und besser zu verarbeiten.

Hypnose kann uns an wunderbare Orte versetzen. Sie hilft uns, unserem Unterbewusstsein freien Lauf zu lassen.

Außerdem zeigte sich, dass wir im hypnotischen Zustand Handlungen von unserem Bewusstsein entkoppeln, uns also auf Suggestionen einlassen können, ohne diese zu reflektieren und zu bewerten.

Das bedeutet nicht, dass wir während einer Hypnose willenlos sind oder abseits jeder Moralvorstellung denken und handeln. Aber wir können einen Zugang zu unserem Unterbewusstsein finden und lernen, wahrzunehmen, bevor wir relativieren, bewerten, einschätzen.

Wie funktioniert Hypnose?

In Filmen werden Menschen oft gegen ihr Einverständnis hypnotisiert. Dabei werden sie regelrecht willenlos gemacht. In Jordan Peeles komödiantischem Horror-Thriller „Get Out“ (2017), bringt die Schwiegermutter des Protagonisten Chris diesen mithilfe klimpernder Geräusche ihres Kaffeelöffels in einen tranceartigen Zustand. Während der Hypnose ist Chris komplett paralysiert und nicht in der Lage, selbst zu handeln.

Der Film zeigt Hypnose als das Manipulationsverfahren, für das es viele Menschen fälschlicherweise halten.

Eine solche Vorstellung von Hypnose und Trance wirft ein falsches Bild auf die Praxis. Hypnoseverfahren wirken bei jedem Menschen anders und sind deshalb schwer zu verallgemeinern. Fakt ist jedoch, dass Hypnose immer eine Form der Selbsthypnose ist: Nur wer dem Verfahren empfänglich ist, kann auch in den Trancezustand einsteigen.

Der Hypnotiseur nimmt dabei lediglich eine unterstützende Position ein. Je nach Ziel der Hypnose gibt es verschiedene Induktionsverfahren. Während der Hypnose wird unser Unterbewusstsein aber zum Schutzschild. Wir sind die ganze Zeit über fähig, die suggerierten Situationen und Glaubenssätze einzuschätzen, anzunehmen oder abzulehnen.

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Die Wunder der Hypnose

Hypnose ist zu unglaublichen Dingen im Stande. Sie kann auf körperlicher und geistiger Ebene wirken beziehungsweise damit organische und psychische Vorgänge im Menschen beeinflussen. Sie kann mit verschiedensten Techniken und Verfahren innerhalb von Minuten erzeugt werden. Oftmals spielen dabei konkrete Sprachmuster eine Rolle, die zur Tiefenentspannung anregen. In manchen Religionen werden spirituelle Trancen auch durch Tänze eingeleitet. Unser Geist ist zu Unglaublichem fähig, wenn er es schafft, Blockaden, Glaubenssätze oder Ängste zu ergründen und aufzulösen. Hypnose verschafft uns Zugang zu unserem Inneren und kann helfen, körperliche und seelische Heilungsprozesse voran zu treiben.

Wann und wo wird Hypnose eingesetzt?

Hypnoseverfahren werden bereits seit vielen Jahrzehnten auf verschiedenen medizinischen und therapeutischen Gebieten angewendet. Besonders in der Psychotherapie kommt Hypnose häufig zum Einsatz. Dabei ist sie keineswegs eine sofort wirkende Wunderwaffe, sondern vielmehr eine Unterstützung bei der Auflösung von bestehenden Konflikten.

Sie hilft uns, einen Zustand zu erreichen, in dem wir Situation neu betrachten, bewerten und möglicherweise lösen können. Gerade bei AngststörungenAngststörung: Die Auswirkungen auf Gesundheit und Schlaf und Depressionen helfen Hypnosetechniken oft, den Kern des Problems zu erkennen und das Unterbewusstsein gegen dieses Problem zu stärken.

Hypnose hilft uns, uns und unser Unterbewusstsein von etwas zu überzeugen. Sie wirkt nicht nur auf geistiger, sondern auch auf körperlicher Ebene. So werden Krankheiten wie Migräne, Trigeminusneuralgie oder Fettleibigkeit immer öfter hypnotisch therapiert.

Eine Studie der Universität Tübingen zeigte zum Beispiel, dass sich die Hypnotherapie bei übergewichtigen Patienten gegenüber anderen diätischen Therapien deutlich effektiver äußerte und sich auch nachhaltig auf die Lebensqualität auswirkte. Auch bei der Raucherentwöhnung zeigt Hypnose deutliche Effekte: Im hypnotischen Zustand wird unser Unterbewusstsein davon überzeugt, dass es kein Nikotin braucht und kann die Abhängigkeit leichter überwinden.

Hypnose und Schmerz

Besonders interessant ist die stark schmerzlindernde Wirkung von Hypnose. Schmerz ist ein psychologisches Phänomen und damit auch psychologisch beeinflussbar. Hypnose kann die Wahrnehmung von Schmerz dramatisch verändern und damit besonders bei chronischen oder psychosomatischen Schmerzen helfen.

Besonders bei chronischen Schmerzen wirken Schmerzmittel oft nicht mehr. Hier kann Hypnose eine neue Perspektive bieten.

Eine Studie von klinischen Psychologen der Universität Jena hat unser Schmerzempfindung während einer Hypnose untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass Schmerzsignale im Trancezustand zwar zur Gehirnrinde gelangen, jedoch anders verarbeitet und dadurch verändert wahrgenommen oder ganz ausgeschaltet werden.

Die veränderte Verarbeitung von Schmerzinformationen können sich auch Chirurgen zu Nutze machen: Damit Patienten während einer Hirnoperation ansprechbar bleiben, werden sie oftmals nur lokal betäubt und von einem Hypnotherapeuten in Trance versetzt. Auch Parkinsonpatienten werden häufig mit Hypnose behandelt.

Eine medikamentöse Narkose schwächt den Körper und knockt ihn teilweise noch längere Zeit aus. Eine hypnotische Trance hat dagegen keine Nebenwirkungen. Auf die postoperative Wundheilung kann Hypnose ebenfalls einen positiven Einfluss nehmen. Auch Zahnärzte behandeln ihre Patienten immer öfter unter Hypnose, um den Gebrauch von Anästhetika und deren Nebenwirkungen zu vermeiden.

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Risiken

Entgegen vieler Vorstellungen ist Hypnose nicht besonders risikoreich. Nur wer es zulässt, kann hypnotisiert werden. Ein Hypnotiseur kann seine Patienten also nicht beliebig manipulieren oder gegen ihren Willen hypnotisieren. Das Unterbewusstsein schützt uns vor ungewollten Fremdeinwirkungen.

 

Auch die Angst davor, in einer Hypnose stecken zu bleiben, ist unbegründet. Nach einiger Zeit wacht jeder Mensch ganz von selbst aus einer Hypnose auf. Wie auch bei einer klassischen Verhaltenstherapie können durch eine Hypnose Dinge ans Licht kommen, die unser Unterbewusstsein verdrängt hat und die uns zunächst schockieren. In den meisten Fällen helfen uns diese Entdeckungen jedoch, uns besser kennenzulernen und unseren Problemen auf den Grund zu gehen.

Hypnose und Schlaf

„Hypnos“ bedeutet Schlaf. Bereits der Name weist auf die enge Verbindung zwischen Hypnose und Schlaf hin. Auch wenn der hypnotische Zustand nicht deckungsgleich mit unserem Schlaf ist, so können wir ihn uns trotzdem zu Nutze machen, um unseren Schlaf einzuleiten und Schlafstörungen zu überwinden.

Schlafstörungen

Fast jeder hat schon unter Schlafstörungen gelitten. Sie werden oft auf die leichte Schulter genommen, sind allerdings Auslöser für Unkonzentriertheit, Unruhe, Gereiztheit und körperliche Schwächen.

Bei Schlafstörungen ohne organische Ursachen unterscheidet man zwischen Dyssomnien und Parasomnien. Dyssomnien sind primär psychisch bedingte Zustände, Parasomnien sind abnorme Episoden während des Schlafes wie zum Beispiel Schlafwandeln oder regelmäßige Alpträume. Besonders häufig sind auch Einschlafstörungen. Diese sind oft Folgen von unruhigen, ängstlichen Gedanken, die uns davon abhalten, abzuschalten.

Während wir schlafen, verarbeiten wir die Erlebnisse des Tages, unsere Gefühle und Gedanken. Dieser Prozess findet vor allem im REM-SchlafDie Schlafphasen: Welche gibt es und was bedeutet REM? statt, eine der fünf SchlafphasenDie Schlafphasen: Welche gibt es und was bedeutet REM?, während der unser Geist besonders aktiv ist. Schlafstörungen behindern diese Form der nächtlichen Verarbeitung und sorgen deshalb für starke geistige und körperliche Einschränkungen.

Schlafstörungen sind ein ernstzunehmendes Problem. Hypnose kann dabei Abhilfe schaffen.

Hypnose gegen Schlafstörungen

Hypnose legt ihren Fokus auf körperliche und geistige Balance und Entspannung und nimmt damit generell positiven Einfluss auf den Schlaf- und Wachzustand. Bei Schlafstörungen zeigen Hypnotherapien meist sehr schnellen Erfolg, sorgen für eine rasche Symptomlinderung und tragen oft sogar zu einer vollständigen Heilung bei.

Hypnose hilft häufig vor allem dabei, den Angst-Schlaflosigkeit-Kreislauf zu durchbrechen, nimmt uns also die Angst vor dem Nicht-Schlafen-Können. Außerdem können hypnotische Therapieverfahren am Tag Problemlösungen erzielen, die den Patienten dann nachts nicht mehr beschäftigen.

Welche Verfahren gibt es?

Es gibt verschiedene Hypnoseverfahren, die man zum Großteil auch alleine zuhause ausprobieren kann. Wichtig ist vor allem, sich auf die Techniken einzulassen und sich die Zeit zu nehmen, die es braucht, bis eine Hypnose ihre Wirkung zeigt. Ungeduld oder Skepsis wirken sich negativ auf die Verfahren aus. Oft hilft es, sich zunächst professionell anleiten zu lassen, bis man schließlich auch selbst in der Lage ist, mit hypnotisierenden Techniken zu arbeiten.

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Hypnoseverfahren im Überblick

EFT

EFT steht hier für Emotional Freedom Technique und ist eine anerkannte, wissenschaftlich fundierte Therapiemethode. Es handelt sich um eine sanfte, aber sehr effektive Klopfakkupressurtechnik, bei der man gezielt auf Stellen des Körpers klopft und dabei bestimmte Formulierungen wiederholt. Anders als bei klassischen Akkupunktur-Therapien arbeitet man hier ohne Nadeln. Die Technik kann je nach Ziel auch eine einschläfernde, entspannende Wirkung haben.

 

Selbsthypnose

Die Selbsthypnose ist eine besonders beliebte Form der Bekämpfung von Einschlafstörungen. Sie wird oft mithilfe von Hypnose-CDs durchgeführt, die durch visuelle Prozesse zur Entspannung anleiten und einen an die Schwelle des Schlafes bringen. Autogenes Training ist eine Form der leichten Selbsthypnose. Solche Methoden werden vom Unterbewusstsein meistens schnell auf- und angenommen und verhelfen zu einem neuen Schlafverhalten. Selbsthypnose funktioniert auch ohne Hilfsmittel; man kann sich selbst suggerieren, dass man gut einschläft, durchschläft und erholt aufwacht, sodass das Unterbewusstsein sich schließlich selbst davon überzeugt.

 

Hypnoanalyse

Die Hypnoanalyse ist eine analytische, aufdeckende Form der Hypnose. Die Praxis weist deutliche Parallelen zur Psychoanalyse auf und wird durch einen Hypnotherapeuten begleitet. Gemeinsam mit dem Patienten betreiben die Therapeuten Ursachenforschung und suchen nach Lösungsansätzen, die das Unterbewusstsein annimmt. Auf diese Weise können Blockaden und Ängste gelöst und damit auch Schlafstörungen behoben werden.

 

Systemische Hypnotherapie

Bei dieser Form der Therapie liegt der Fokus auf der Persönlichkeit des individuellen Patienten. Systemisch bedeutet, dass der Patient als Teil eines Systems betrachtet und seinen sozialen Beziehungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dadurch gewinnt man Erkenntnisse über die Konflikte, die möglicherweise für die Schlafstörungen verantwortlich sind. Die systemische Hypnotherapie versteht Probleme als eingeengte Form der alltäglichen Wahrnehmung. Die Therapie soll dabei helfen, die Wahrnehmung wieder zu öffnen.

 

Ressourcen-Stärkung / Ich-Stärkung

Auch hier stellt sich der Therapieverlauf individuell auf den jeweiligen Patienten ein, beruft sich auf dessen Stärken und Energiequellen und integriert diese in die hypnotische Behandlung. Die Ressourcen- oder Ich-Stärkung holt positive Erlebnisse, Talente und Fähigkeiten hervor und gibt den Patienten somit Kraft für den Alltag. Der veränderte Zugang zu sich selbst hilft, Stress oder Probleme, die zum Beispiel bei Nacht auftreten, anders wahrzunehmen und zu bewältigen.

Hypnose verschafft uns einen Zugang zu uns selbst.

Hypnose hilft uns, wahrzunehmen, zu verstehen und zu bewältigen. Eine hypnotische Therapie bietet neue Möglichkeiten im Umgang mit Ängsten, Depression, Schmerzen oder Schlafstörungen und kann schnelle und effektive Veränderungen erzielen – ganz ohne Schmerz-, SchlafmittelSchlafmittel: Pflanzlich oder Chemisch? oder Psychopharmaka.

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