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Lifestyle & Schlaf

Wer schläft besser: Männer oder Frauen?

Statistisch gesehen schlafen Frauen schlechter als Männer
Melina Schulz

Veröffentlicht von Melina Schulz am 14.05.2019

Geschlechterunterschiede in der Schlafqualität sind wissenschaftlich bewiesen. Wir haben uns für euch zwei Studien angesehen und berichten über die wichtigsten Faktoren, die zu unterschiedlichem Schlafverhalten führen können.

Ergebnisse zweier Studien über Schlafstörungen bei Männern und Frauen

In einem Gesundheitsreport der DAK aus dem Jahr 2017, wurde die Verteilung von Schlafstörungen nach Alter und Geschlecht, aber auch nach Schulabschluss, beruflicher Statusgruppe und der Art des Beschäftigungsverhältnisses aufgezeigt. Insgesamt wurden 5207 Erwerbstätige befragt, wobei die überwiegende Zahl der Befragten Angestellte waren. Innerhalb von vier Wochen mussten Einschlafschwierigkeiten, Durchschlafschwierigkeiten oder nicht erholsamer Schlaf mindestens dreimal wöchentlich auftreten, um als Schlafstörung bezeichnet werden zu können.

Unter den befragten Erwerbstätigen litten vier von zehn Frauen unter Einschlaf- oder Durchschlafschwierigkeiten. Der Anteil der betroffenen Männern lag bei knapp unter einem Drittel.

Besonders auffällig ist die prozentuale Differenz in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen. Der Anteil der betroffenen Frauen war darin um rund sechs Prozent höher als der der Männer. Andere Altersgruppen wiesen geringere Unterschiede auf. Unter den 18- bis 29-Jährigen waren Schlafstörungen bei Männern sogar um ein Prozent häufiger vorhanden.

Ebenfalls 2017 berichten Allegra Boccabella und John Malouf in einer australischen Studie, dass Frauen proportional häufiger von Schlafstörungen betroffen sind, die zu Beeinträchtigungen im Alltag führen. In ihrer Studie war knapp die Hälfte der Frauen betroffen, während Männer nur zu 36,9 Prozent betroffen waren. Störungen durch nächtliches Schnarchen waren beiderseits gleich ausgeprägt, jedoch mussten Männer häufiger das Schlafzimmer verlassen. Frauen litten zudem tendenziell mehr unter den Auswirkungen von Schlafstörungen.

Mögliche Faktoren

Biologische Faktoren

Die Menstruation kann die Schlafqualität verringern.

Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin hat in ihrem Patientenratgeber verschiedene Ursachen für die Beeinträchtigung des Schlafes bei Frauen zusammengestellt. Zum einen sei die Menstruation ein entscheidender Faktor für Schlafstörungen, da Bauchkrämpfe, starke Hungergefühle und allgemeines Unwohlsein das Einschlafen und Durchschlafen erheblich erschweren.

Auch die Schwangerschaft stellt eine besondere körperliche Belastung für Frauen dar. Besonders in den späten Schwangerschaftsmonaten wird guter Schlaf durch die starken körperlichen Veränderungen erschwert. Neben vermehrtem Harndrang, starkem Appetit und psychischem Stress treten Rückenschmerzen, Sodbrennen und Bewegungen des Kindes im Bauch auf.

Nicht zuletzt wirkt sich auch die Menopause erheblich auf die Schlafqualität von Frauen aus. Nächtliche Hitzewallungen und starkes Schwitzen, erhöhter Puls und auftretende Angstgefühle sind typische Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Die Schlafqualität, aber auch die allgemeine Lebensqualität leidet unter all diesen Faktoren.

Laut der DGSM werden schlafbezogene Atmungsstörungen wie Schlafapnoe bei Frauen zudem oft später erkannt als bei Männern, da Patientinnen seltener nach Symptomen wie Schnarchen gefragt werden.  Eine erfolgreiche Therapie wird dadurch verzögert.

Gesellschaftliche Faktoren

Mütter übernehmen nach wie vor einen größeren Teil der Kindererziehung

Obwohl sich das Doppelverdiener-Modell in Partnerschaften weitestgehend durchgesetzt hat und Frauen in der Regel einer festen Beschäftigung nachgehen und finanziell unabhängig sind, gibt es nach wie vor erhebliche Unterschiede in der Verteilung der Kinderbetreuung und der Arbeit im Haushalt. Nur wenige Väter setzen nach der Geburt eines Kindes im Beruf aus und entscheiden sich für Vaterschaftsurlaub.

Nach Zahlen des Bundesamtes für Familie, Senioren, Frauen und Jugend liegt der regionale Höchstwert in Deutschland bisher bei 40 Prozent, jedoch setzen davon nur 40 Prozent der Väter länger als zwei Monate aus und nur jeder Dritte nimmt den Vaterschaftsurlaub ohne die Anwesenheit der Mutter wahr. Mütter haben damit statistisch eine weitaus größere Verantwortung für die Kinderbetreuung und können meist für längere Zeit nicht ihrem Beruf nachgehen, nachdem ein Kind geboren wurde.

Viele Frauen sehen sich daher nach wie vor mit starken Rollenkonflikten konfrontiert, was zu vermehrtem Stress und damit auch zu einer geminderten Schlafqualität führen kann.

Häufige Fragen zum Artikel