Lifestyle & Schlaf

Welche Schlafmythen gibt es und was ist dran?

Rike Zucker

Veröffentlicht von Rike Zucker am 08.05.2019

Es ist wichtig, sich mit dem Thema Schlaf auseinanderzusetzen. Man erzählt sich aber so einiges über die Nachtruhe. Welche Schlafmythen stimmen und welche nicht?

Der Schlaf vor Mitternacht zählt doppelt

Falsch. Wir steigen direkt mit einem Schlafmythos ein, der absolut in die Kategorie Irrglaube gehört. Denn nur weil unsere Eltern uns mit dem Spruch früher womöglich um 10 Uhr ins Bett gekriegt haben, heißt das noch lange nicht, dass die Aussage stimmt. Wichtig ist nicht wann wir ins Bett gehen. Stattdessen zählt die Schlafqualität. In den ersten zwei bis vier Stunden nach dem Einschlafen schlafen wir am besten. Unser Puls, die Atemfrequenz und der Blutdruck fahren runter, der Körper regeneriert.

Die zweite Schlafhälfte hingegen ist von einer weitaus stärkeren Gehirnaktivität gekennzeichnet und deshalb weniger erholsam. Man merke: Die ersten Schlafstunden sind die wichtigsten. Das trifft zu, ob man nun vor oder nach Mitternacht ins Bett geht. Wichtig ist vor allem ein regelmäßiger Schlafrhythmus. Und um sieben Uhr morgens werden auch die ersten Stunden Schlaf weniger erholsam.

Bei Vollmond kann ich nicht schlafen

Seit der Erfindung von elektrischem Licht und Rollläden beeinflusst der Mond unseren Schlaf sehr viel weniger als früher. Doch auch in abgedunkelten Zimmern verbringen viele Menschen bei Vollmond immer noch schlaflose Nächte. Dass der volle Mond vom Schlafen abbringen soll, halten viele Forscher immer noch für einen Mythos.

Eine Studie eines Schweizer Forscherteams der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel zeigt, dass der Mond unseren Schlaf womöglich doch beeinflusst. Anhand von 33 Probanden wurde deutlich gemacht, dass diese Menschen während einer Vollmondphase weniger gut schliefen. In den vier Nächten vor und nach Vollmond verkürzte sich die Tiefschlafphase um ein Drittel, die Probanden brauchten im Schnitt fünf Minuten länger zum Einschlafen und schliefen insgesamt 20 Minuten weniger. Der Melatoninspiegel war während der Vollmondphase außerdem deutlich unter dem Normalwert.

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen ist die sogenannte circalunare Uhr. Früher schliefen die Menschen während des Vollmonds tatsächlich deutlich schlechter, da das helle Licht ihre Ruhe störte. Durch jahrelange evolutionäre Prozesse könnte die menschliche innere Uhr sich mit dem Mondzyklus synchronisiert haben und deshalb auch mit Rollläden noch empfindlich auf den Vollmond reagieren.

Trotz der Schweizer Studie sind sich Wissenschaftler dennoch uneinig über die Wirkung des Mondes. Manche führen den Effekt auf rein psychische Ursachen zurück. Irrglaube oder nicht – die Wirkung des Mondes ist definitiv hochinteressant und verdient einen Platz auf unserer Schlafmythen-Liste.

Viele Menschen trinken vor dem Schlafengehen gerne Alkohol.

Ein Glas Wein am Abend ist das beste Schlafmittel

Alkohol als Schlummertrunk? Diesen Mythos können wir definitiv als Irrtum entlarven. Trinkt man vor dem Schlafengehen ein paar Gläser Wein kommt der Schlaf zwar schneller, ist aber von starken Unruhen geprägt. Die schnellere Einschlafphase büßt man vor allem in der zweiten Hälfte der Nacht ein. Dort nimmt die Schlafzeit deutlich ab und das Wachliegen zu.

Laut einer Studie englisch-kanadischer Schlafmediziner, versetzen mittlere bis höhere Dosen Alkohol (ab etwa ein Promille) einen zunächst in einen komatösen Zustand und verhindern den Einstieg in den REM-Schlaf. Diese Schlafphase ist ebenso wichtig wie der Tiefschlaf, denn während des REM-Schlafs verarbeitet unser Gehirn die Erlebnisse des Tages.

Alkohol am Abend führt deshalb oft dazu, dass man am nächsten Morgen verwirrt oder sogar mit Gedächtnislücken aufwacht. Außerdem beeinträchtigt abendliches Trinken die Nieren- und Blasenfunktion. Häufige Toilettengänge in der Nacht halten wach und stören den Schlaf. Also: Wer gut schlafen möchte greift anstatt dem üblichen Glas Wein abends lieber mal zu einer Tasse Tee.

Gute Schläfer wachen nachts nicht auf

Nur wer durchschläft, schläft richtig? Falsch. Viele Menschen, die nachts häufig aufwachen, werden nervös und halten ihr Schlafverhalten für ungesund. Tatsächlich ist das nächtliche Aufwachen jedoch ein ganz natürliches Phänomen und gehört zum Schlaf dazu. Wir wachen in der Nacht sogar sehr viel öfter auf, als wir denken. Rund fünfmal pro Stunde erwacht unser Körper für Sekunden, sodass wir uns am nächsten Morgen gar nicht mehr daran erinnern.

Das häufige Aufwachen in der Nacht gilt als genetisch verankerter Schutzmechanismus. Erst Wachphasen ab drei Minuten nehmen wir bewusst war und können wir am nächsten Tag noch rekonstruieren. Auch längere Wachphasen beeinträchtigen unseren Schlaf nicht negativ. Wichtig ist, sich beruhigt umzudrehen und weiterzuschlafen. Wer seinen Schlaf gar nicht mehr wiederfindet, läuft am besten ein paar Schritte durch die Wohnung, macht sich einen Tee oder liest ein paar Seiten.

Frauen schlafen mehr als Männer

Zu den unterschiedlichen Schlafverhalten der Geschlechter liest man im Netz die unterschiedlichsten Dinge. Über eine Aussage stolpert man dabei immer öfter: Frauen brauchen mehr Schlaf als Männer. Hier haben wir es mit einem der vielen Schlafmythen zu tun, an denen tatsächlich etwas dran ist.

Am Sleep Research Center der Lourborough Universität wurde herausgefunden, dass das weibliche Gehirn sehr viel komplexer vernetzt ist, als das männliche. Das bedeutet nicht, dass Frauen klüger sind – sie denken nur anders. Sie benutzen mehr Teile des Gehirns, weswegen Frauen oftmals auch besser im Multitasking sind und es vor allem öfter anwenden.

Diese komplexe Hirnaktivität macht müde und führt zu stärkerem Regenerationsbedarf: Rund 20 Minuten Schlaf benötigen Frauen mehr als Männer. Alle Frauen, die sich morgens nachdem der Partner aufgestanden ist gerne nochmal umdrehen, dürfen das also ohne schlechtes Gewissen tun.

Frauen brauchen in der Regel mehr Schlaf als Männer.

Acht Stunden Schlaf ist das Optimum

Ein absoluter Renner unter den Schlafmythen. Angeblich sind acht Stunden die generelle Richtlinie für die perfekte Schlafdauer. Doch so unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch unsere Bedürfnisse. Natürlich gibt es Richtlinien – sechs bis neun Stunden Schlaf gelten als gesund.

Dennoch stehen das persönliche Schlafverhalten und Wohlbefinden weit über jeglichen Richtlinien. Es gibt Menschen, die mehr Schlaf brauchen, andere kommen mit weniger aus. Die individuellen Schlafbedürfnisse hängen dabei von vielen Faktoren ab, beispielsweise der Tätigkeit, der Erziehung und auch unserer Genetik.

Wer seine ganz eigene, optimale Schlafdauer herausfinden will, schläft im Urlaub vielleicht einfach mal ohne Wecker. In den meisten Fällen weckt der Körper dich, wenn er sich das genommen hat, was er braucht.

Das Thema Schlaf ist momentan aktueller denn je. Auf der ganzen Welt beschäftigen sich Forscher damit und bringen immer neue Dinge ans Licht. Dabei gibt es viel Interessantes zu lernen – jedoch ist es wichtig zwischen Schlafmythen und Fakten zu unterscheiden. Sollte die Linie zwischen den beiden Seiten mal nicht so deutlich sein, hört man am besten auf seinen eigenen Körper. Der weiß am Ende meistens am besten, was er braucht.

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