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Schlafstörungen

Die Zeitumstellung: Ursache für Schlafprobleme

Lara Krüger

Veröffentlicht von Lara Krüger am 10.05.2019

Zweimal jährlich stellen wir uns die Frage: Wann müssen wir die Uhren umstellen? Die Zeitumstellung ist unumstritten. Wir klären auf, woher sie kommt und geben Tipps, wie ihr mit ihren Folgen umgehen könnt.

Wann werden die Uhren umgestellt?

Zweimal im Jahr werden in Deutschland die Uhren umgestellt: Einmal im Frühling und einmal im Herbst. So wird am letzten Sonntag im März um 2 Uhr die Stundenzählung von der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ), auch Winterzeit genannt, um eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt. Damit beginnt die Stundenzählung in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Diese Zeitumstellung hat zur Folge, dass wir eine Stunde "weniger" Schlaf bekommen und es abends eine Stunde länger hell ist.

Die zweite Zeitumstellung im Herbst jedes Jahres fällt auf den letzten Sonntag im Oktober. An diesem Tag werden die Uhren um 3 Uhr MESZ um eine Stunde auf 2 Uhr zurückgestellt, womit die Stunden wieder in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) angegeben werden. Im Zuge des Wechsels von Sommerzeit auf Winterzeit wird uns eine Stunde "geschenkt". Allerdings wird es auch eine Stunde früher dunkel.

Die Zeitumstellung auf einen Blick.

Woher kommt die Zeitumstellung?

Die Sommerzeit wurde in Deutschland im Jahr 1916 eingeführt und bis ins Jahr 1918 beibehalten. Die Einführung folgte der Idee, die Stunden mit dem meisten Tageslicht möglichst effizient mit den Stunden des Tages in Einklang zu bringen. Also die gesetzliche Zeit, beziehungsweise Normalzeit, an die Sonnenzeit anzugleichen.

Die Einführung der Sommerzeit folgte der Idee, die Stunden mit dem meisten Tageslicht möglichst effizient mit den Stunden des Tages in Einklang zu bringen.

In den Jahren zwischen 1919 und 1939 gab es keine Zeitumstellung in Deutschland. Sie wurde 1940 wiedereingeführt und blieb bis 1949 in verschiedenen Ausprägungen bestehen. Zwischenzeitlich wurde in Teilen Deutschlands sogar eine doppelte Sommerzeit, also eine Hochsommerzeit eingeführt.

In den Jahren 1950 bis 1979 gab es lediglich die Winterzeit und damit keine Zeitumstellung in Deutschland. Die aktuelle Regelung zur Sommerzeit trat in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1980 als Teil der Europäischen Gemeinschaft in Kraft. Begründet wurde die Einführung mit einer Stromersparnis, also mit energiepolitischen Gründen.

Ist die Zeitumstellung sinnvoll oder nicht?

Keine Belege für Stromersparnis

Die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung wird bereits seit ihrer letzten Einführung in Deutschland und Europa immer wieder diskutiert. Besonders, weil es bis heute keine Belege dafür gibt, dass durch die Umstellung auf Sommerzeit wirklich Strom eingespart wird.

Eine Vielzahl an öffentlichen Stellen hält die Möglichkeit, durch eine Zeitumstellung Energie einzusparen, inzwischen sogar für widerlegt. So verlautet das Bundesumweltamt in einer Stellungnahme: "Durch das Vor- und Zurückstellen der Uhren sparen wir keine Energie: Zwar knipsen die Bürgerinnen und Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr – das hebt sich gegenseitig auf."

Auch der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft "kann seit Jahren keine Sparwirkung durch den Dreh am Zeiger erkennen", wie es in einer Pressemitteilung des Verbandes heißt.

Negative Effekte für den menschlichen Biorhythmus

Die negativen Auswirkungen auf den menschlichen Körper und den Schlaf-Wach-Rhythmus hingegen sind inzwischen hinreichend untersucht und belegt. Kritiker verweisen auf Schlafstörungen, die aus der Zeitumstellung resultieren, auf signifikant höhere Unfallzahlen im Straßenverkehr und verminderte Leistungsfähigkeit.

Außerdem steigt um die Zeitumstellung herum jedes Mal die Zahl an Herzinfarkten und Rettungsdienst-Einsätzen.

Betroffene im Mini-Jetlag

Bei vielen Menschen entsteht durch die Zeitumstellung ein Mini-Jetlag und der sogenannte "Zirkadiane Rhythmus", der hauptsächlich durch das Tageslicht gesteuert wird, gerät durcheinander.

Medizinern und Chronophysiologen schätzen die Folgen dieses Eingriffs in die innere Uhr der Menschen als sehr langanhaltend ein. Menschen, die besonders auf saubere Schlafhygiene und regelmäßigen Schlafrhythmus angewiesen sind, leiden unter schlechtem Schlaf - noch mehrere Wochen nach der Zeitumstellung.

Immer weniger Menschen halten die Zeitumstellung für sinnvoll

Der nicht belegbare umweltpolitische Effekt der jährlichen Zeitumstellung steht somit messbaren negativen Effekten auf den Körper und den Schlafrhythmus gegenüber.

64 Prozent der Deutschen geben an, im Zuge der Zeitumstellung mit Schlafproblemen zu tun zu haben. Drei Viertel der Deutschen sprechen sich für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung darf mittlerweile bezweifelt werden.

Hat die EU die Sommerzeit abgeschafft?

Zwischen Anfang Juli und dem 16. September 2018 hat die Europäische Union eine öffentliche Befragung der Bürger zur Abschaffung der Sommerzeit durchgeführt. An dieser Online-Umfrage haben rund 4,6 Millionen Menschen teilgenommen, davon allein 3 Millionen aus Deutschland.

Noch nie haben so viele EU-Bürger an einer öffentlichen Befragung teilgenommen. Das zeigt, wie bedeutend die Zeitumstellung für den Alltag vieler Europäer ist. 84 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich gegen die Zeitumstellung und somit gegen die Sommerzeit aus.

Im Jahr 2018 hat sich die die Mehrheit der befragten EU-Bürger für die Abschaffung der Sommerzeit ausgesprochen.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse, aber auch unter Berücksichtigung andere Studien und Meinungen, hat die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt, welcher es den Mitgliedsstaaten ab dem Jahr 2020 erlaubt, die Zeitumstellung individuell zu regeln. Da das Ergebnis der Befragung keinen bindenden Charakter hat, könnte es nach 2019 zu einem Flickenteppich der Zeitzonen in der EU kommen, wenn einzelne Mitgliedsstaaten die Sommerzeit abschaffen und andere nicht.

84 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich gegen die Zeitumstellung und somit gegen die Sommerzeit aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine Abschaffung der Sommerzeit in Deutschland ausgesprochen und dafür "persönlich eine hohe Priorität" eingeräumt. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Für die Gegner der Zeitumstellung war das Umfrageergebnis ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu ganzjährig besserem Schlaf.

Den negativen Folgen der Zeitumstellung entgegenwirken

Die Zeitumstellung löst bei vielen Menschen ein Mini-Jetlag aus: Sie leiden unter verminderter Schlafqualität, Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, sind weniger leistungsfähig. Dem Mini-Jetlag kann man mit einigen Tipps und Tricks begegnen.

Zeitumstellungs-Tipp 1

Am ersten Tag nach der Zeitumstellung solltet ihr spätestens zur normalen Aufstehzeit, bei der Umstellung von Sommerzeit (MESZ) auf Winterzeit (MEZ) lieber sogar eine halbe Stunde früher aufstehen. Die stückweise Anpassung hin zur späteren Aufstehzeit fällt vielen leichter als umgekehrt. Außerdem könnt ihr die "gewonnene Zeit" nutzen, um eine neue Morgenroutine zu etablieren.

Zeitumstellungs-Tipp 2

Am Vorabend der Zeitumstellung empfiehlt es sich besonders, auf eine gute Schlafhygiene zu achten: Nicht zu spät und nicht allzu viel essen, auf Alkohol verzichten und Displaylicht in den Abendstunden reduzieren.

Zeitumstellungs-Tipp 3

Wenn euch der veränderte Schlafrhythmus Mühe bereitet, könnt ihr zu Mitteln greifen, die beim Einschlafen helfen und dabei, abzuschalten und zu entspannen. Zum Beispiel Melatonin und Pflanzenextrakte wie Melisse, Baldrian, Hopfen oder Passionsblume. Eine regelmäßige Einnahme vor und nach der Zeitumstellung kann die Negativfolgen des verschobenen "Zirkadianen Rhythmus" abschwächen oder sogar völlig verhindern.

Zeitumstellungs-Tipp 4

Sollte es nach der Zeitumstellung tagsüber zu akuter Müdigkeit, Kopfschmerzen oder einem starken Leistungsabfall kommen, solltet ihr eine Pause einlegen und einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen. Ebenso wichtig: viel trinken!

Berücksichtigt ihr diese Tipps, könnt ihr die Folgen des Mini-Jetlags klein halten. Für wen sie dennoch immer wieder ein Ärgernis ist, der kann darauf hoffen, dass die Zeitumstellung bald abgeschafft wird.

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