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Lifestyle & Schlaf

Schlaftyp und Schulbeginn: Lerche oder Eule?

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Benito Schilling

Veröffentlicht von Benito Schilling am 27.11.2019

Chronotypen: Auch im Land der Frühaufsteher gibt es Langschläfer. Insbesondere Schüler, so zeigen Studien, würden von einem späteren Schulbeginn profitieren, da sie ihre Leistung frühmorgens noch gar nicht abrufen können. Warum einige Menschen eher zu den Lerchen gehören und andere zu den Eulen, erfahrt ihr hier.

Lerchen und Eulen

Schlaftypen werden grob in Früh- und Spätaufsteher unterteilt. Lerchen und Eulen. In der Schlafforschung spricht man von frühen und späten Chronotypen (chrono; griechisch. Zeit).

Das Schlafverhalten können Menschen bis zu einem gewissen Grad trainieren. Wer immer spät ins Bett geht, schläft länger. Wer immer früh aufsteht, wird früher müde. Das alles mutet sehr einfach und logisch an und so appellieren viele an müde Menschen auf der Arbeit, oder müden Schülern in der Schule: „Geht doch einfach früher ins Bett!“

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht..

Welchem Schlaf-, oder Chronotyp wir entsprechen, wird in erster Linie nicht durch unseren freien Willen und unsere Lebensweise bestimmt, sondern ist durch unsere Chronobiologie determiniert. Bestimmte Gene regulieren, ob wir früh am Morgen wach und leistungsfähig sind, oder ob unsere kognitiven Fähigkeiten erst spät am Abend, oder in der Nacht, ihr Maximum erreichen.

Extreme Frühaufsteher, sowie extreme Spätaufsteher sind dabei eher selten. Das Gros der Menschheit fängt ab 22 Uhr an ins Bett zu gehen und ist bis spätestens zehn Uhr wieder aufgestanden.

Allerdings können die wenigsten ihrem chronobiologischen Biorhythmus nach schlafen. Spätestens mit dem Kindergarten müssen die ersten Kinder zu einer Pflichtzeit aufstehen, welche meist gar nicht mit dem genetisch bestimmten Chronorhythmus übereinstimmt. Über die Schulzeit bis hinein in das Arbeitsleben leben die meisten nach einem künstlichen Schlaf-Wach-Rhythmus, der so gar nicht unserer inneren Uhr entspricht.

Eulen wird nachgesagt besonders kreativ zu sein, Lerchen dagegen sind gut organisiert und strukturiert.

Bessere Leistungen durch späteren Schulbeginn

Wer kann sich nicht mehr an die Schulzeit erinnern, wütende Mütter, die morgens die Türen zu den Kinderzimmern aufrissen, nachdem sie das dritte Mal zum Aufstehen aufgefordert hatten. Am Ende half manchmal nur ein nasser, kalter Waschlappen im Gesicht. In der Schule dann Schüler, die morgens um acht Uhr schlaftrunken die Klassenbänke drücken mussten und sich, wenn überhaupt, nur minimal am Unterricht beteiligten.

Den Schülern wird durch die Generationen vorgeworfen sie seien faul, müssten früher ins Bett gehen und sollen sich gefälligst nicht so anstellen. Mildernd erwähnen Mütter im Gespräch nur die Pubertät und eine mit dieser einhergehende Hormon-Explosion, welche dieses Fehlverhalten begünstige.

Doch neuere Studien aus aller Welt zeigen: Schüler brauchen mehr Schlaf und sind früh morgens ihrer Chronobiologie nach noch gar nicht leistungsfähig.

Der junge Körper wächst, das Gehirn muss jede Nacht Unmengen an neu erlernten Informationen verarbeiten und für all dies benötigt ein Organismus Schlaf. Schlaf, circa neun Stunden braucht ein junger Schüler, den dieser noch nicht hat schlafen können, wenn er um sieben Uhr morgens aufstehen muss. Ein früheres Zubettgehen funktioniert auch nicht, da Schüler ihrem Biorhythmus nach am frühen Abend einfach noch nicht müde sind.

Forscher konnten in mehreren Studien belegen: Bereits ein um 45 Minuten späterer Schulbeginn kann die Leistungen und das Wohlbefinden von Schülern deutlich verbessern. Die Schüler blieben entgegen einiger Erwartungen nicht länger wach, sondern gingen um eine ähnliche Zeit ins Bett und hatten so insgesamt ein Zeit-Plus an Schlaf.

Schlafforscher fordern einen noch späteren Schulbeginn. Am besten wäre ein Beginn erst um zehn Uhr, dann wären wirklich alle Schüler ausgeschlafen und leistungsfähig.

Schlafdauer beeinflusst kognitive und soziale Fähigkeiten

Eltern, die ihre Kinder schon in jungen Jahren zu wenig schlafen lassen, beeinflussen so deren soziale und kognitive Entwicklung negativ. Kleinkinder benötigen mindestens zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Wird diese Dauer über einen längeren Zeitraum nicht erreicht, drohen Einbußen im Sozialverhalten und den kognitiven Fähigkeiten, welche sich erst in späteren Jahren zeigen können.

Wissenschaftler untersuchten hierbei ein großes Kollektiv an jungen Kindern, befragten deren Eltern zu ihren Schlafgewohnheiten und ließen Lehrer an Schulen die kognitiven und sozialen Fähigkeiten einschätzen.

Es zeigte sich, hatten die Kinder regelmäßig weniger als die empfohlene Zeitdauer geschlafen, waren diese eher sozial auffällig, nahmen weniger Rücksicht auf andere und konnten Aufgaben weniger gut planen und sich strukturieren, als ihre „ausgeschlafenen“ Altersgenossen.

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Welcher Schlaftyp bin ich?

Frühaufsteher

Frühen Chronotypen fällt das Aufstehen leicht. Sie kommen ohne große Mühen aus dem Bett, können schon morgens komplexere Aufgaben angehen und brauchen nicht erst drei Liter Kaffee, um vollständige Sätze formulieren zu können. Gegen 14 Uhr haben Frühaufsteher meist ein physiologisches Tief und verspüren oft schon gen Nachmittag einen gewissen Leistungsabfall. Am Abend können sich Lerchen weniger gut konzentrieren und nachts wirklich produktiv zu sein ist für sie quasi unmöglich. Ab 21 Uhr sehnen sie sich das Bett herbei und können gar nicht auf den nächsten frühen Morgen warten.

 

Spätaufsteher:

Spätaufsteher snoozen was das Zeug hält und verlassen nur unter größtem Wiederwillen das warme Bett, insbesondere im Winter, wenn es draußen noch dunkel ist. Ein dicker Nebelschleier liegt um deren Kopf und dieser lichtet sich erst nach mehreren Tassen Kaffee und einer langen Dusche. Späte Chronotypen haben gegen Mittag ihr erstes Leistungshoch. Auch sie können gegen 14 Uhr, wie die Frühaufsteher, ein physiologisches Leistungstief verspüren. Allerdings fahren Eulen erst gegen Abend, manche sogar erst nachts richtig hoch und können ihre kreativen Ideen erst dann entwickeln.

Frühaufsteher leben länger

Eine große britische Langzeitstudie untersuchte das Schlafverhalten von circa 430.000 Briten und versuchte Rückschlüsse auf ihr körperliches und psychisches Befinden zu ziehen. Abendmenschen, so kam dabei heraus, leiden eher unter körperlichen und psychischen Erkrankungen und sterben früher als Morgenmenschen.

Die Studie fand heraus, dass Spätaufsteher sich ungesünder ernähren und häufiger unter Diabetes, sowie Darm- und neurologischen -Erkrankungen litten. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen und Süchte waren unter den Spätaufstehern häufiger zu beobachten.

Die Wissenschaftler führten das auf einen gestörten chronobiologischen Rhythmus der Spätaufsteher zurück. Diese müssten entgegen ihrer Natur früh aufstehen und sich dem Tagesrhythmus der Arbeitswelt beugen. Dadurch komme es zu einem sogenannten sozialen JetlagSocial Jetlag: Die soziale gegen die biologische Uhr, welcher den Glukosemetabolismus durcheinanderbringe, die Expression bestimmter Gene verändere und so Diabetes und andere Krankheiten begünstige.

Häufige Fragen zum Artikel

Benito Schilling

Medizinstudent und Schlafexperte

Benito ist Medizinstudent und und interessiert sich für alle Themen rund um Gesundheit, Sport und Schlaf. Sein Nebenjob im Schlaflabor eines Uniklinikums bringt ihn in unmittelbare Nähe von Schlafexperten, Neurologen mit der Zusatzbezeichnung Schlafmediziner, welche er frei heraus zu medizinischen Schlafthemen befragt, sobald er bei seinen Recherchen auf Unklarheiten stößt. Er selbst versucht seinen Schlaf jede Nacht auf's Neue zu optimieren und findet, Schlaf sei aus medizinischer Sicht einer der interessantesten Teile der menschlichen Physiologie. Benito ist unser Experte für alle medizinischen Themen rund um Schlaf, Schlafprobleme und der Physiologie dahinter.

benito@besserschlafen.de