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Schlafstörungen

Winterschlaf, Winterruhe, Winterstarre: Wer macht’s?

Benito Schilling

Veröffentlicht von Benito Schilling am 07.05.2019

Der Igel ist ein echter Winterschläfer, der Bär hält nur Winterruhe. Fische verfallen im eiskalten See in eine regelrechte Winterstarre. Viele Tiere haben ihre ganz eigenen Vorgehensweisen, um dem Winter und der Kälte zu trotzen.

Welche Arten von Winterschlaf gibt es und wer schläft wie?

Es gibt insgesamt drei Arten und Weisen, auf welche Tiere sich im Winter zurückziehen und gekonnt die kalte Jahreszeit verschlafen. Den echten Winterschlaf, die Winterruhe und die Winterstarre. Die drei Arten unterscheiden sich ein wenig, haben aber alle gemein, dass die Tiere auf diese Weise versuchen, Energie zu sparen und sich möglichst wenig draußen in der Kälte bewegen zu müssen.

Der Winterschlaf

Die meisten Menschen müssen an Bären denken, sobald man über den Winterschlaf redet. In der Fantasie vieler schlägt sich ein Bär den ganzen Sommer lang den Bauch mit Lachs und Honig voll, wird schön dick und zieht sich mit dem nahenden Winter dann in seine Höhle zurück. Dort verschläft er den Winter und tritt im Frühling rank und schlank wieder ins Grüne.

Das ist falsch!

Der Bär hält keinen Winterschlaf. Der Bär hält nur Winterruhe, doch dazu gleich mehr.

Wer sind die echten Winterschläfer?

Echte Winterschläfer sind Igel, Murmeltier, Fledermaus, Siebenschläfer (der Name lässt`s vermuten), Haselmaus und Hamster. Der Bär gehört nicht dazu!

Das Murmeltier ist der echte Langschläfer unter den Winterschläfern: Sechs bis neun Monate lang verbringt es in seiner Höhle, bevor es wieder ans Tageslicht kommt. Siebenschläfer schlafen sieben bis acht Monate lang, genauso wie die Haselmaus. Igel und Fledermaus schlafen fünf bis sechs Monate lang.

Wie funktioniert der Winterschlaf?

Während des echten Winterschlafs sind die Lebensfunktionen stark herabgesetzt, um die nahrungsarme Winterzeit in einem Zustand der Lethargie zu verbringen.

Während der Zeit des Winterschlafes leben die Tiere von im Sommer angefressenen Fett- und Glykogen-Reserven.

Zwischen langen Schlafphasen erwachen die Tiere immer mal wieder, oft nur für kurze Zeit, um dann direkt weiterzuschlafen. Andere Male erwachen sie, um von den angelegten Nahrungsvorräten in der Höhle zu essen oder sich sogar kurz heraus zu wagen.

Die Körpertemperatur sinkt auf ein Minimum nahe der Umgebungstemperatur, da die Aufrechterhaltung der Körperwärme am meisten Energie benötigt.

Die Körpertemperatur bei Igeln sinkt zum Beispiel bis auf acht Grad Celsius ab, bevor die körpereigene Wärmeproduktion wieder einsetzt, um die Tiere auf Minimaltemperatur zu halten und so vor dem Erfrieren zu schützen.

Während der Zeit des Winterschlafes leben die Tiere von im Sommer angefressenen Fett- und Glykogen-Reserven.

Minimaltemperatur und kritische Temperatur, bei der die Erfrierung droht, unterscheiden sich bei den verschiedenen Tieren.

Igel können sich im Winter für lange Zeit in ihrem Laubnest verkriechen und Winterschlaf halten.
Der Kalorienumsatz von Tieren im Winterschlaf beträgt nur noch zwei Prozent des Sommerumsatzes.

Eine eingeschränkte Schilddrüsenfunktion sorgt dafür, dass alle Stoffwechselvorgänge im Körper der Tiere heruntergefahren werden und nur noch ein Bruchteil der sonst benötigten Energie verbraucht wird.

Der Kalorienumsatz von Tieren im Winterschlaf beträgt nur noch zwei Prozent des Sommerumsatzes.

Die Atemfrequenz der sich im Winterschlaf befindlichen Tiere sinkt auch. Es kommt zu Atempausen von bis zu einer Stunde, gefolgt von mehreren schnellen Atemzügen. Sind die Pausen am Anfang des Winters noch kürzer, gewinnen sie mit fortschreitender Zeit immer mehr an Länge.

Auch die Herzfrequenz sinkt extrem. Das Herz eines Igels schlägt normalerweise 200 Mal in der Minute, während des Winterschlafes nur noch fünf Mal die Minute.

Die steigenden Temperaturen im Frühling sorgen dafür, dass die Tiere wieder erwachen. Der Körper der Tiere schüttet verstärkt Adrenalin aus, dieses sorgt für einen erhöhten Abbau der Glykogen-Reserven (Zucker) und führt somit zu einem erhöhten Blutzucker. Diese plötzlich bereitstehende Energie nutzt der Körper. Die Atmung wird beschleunigt, Muskeln fangen an zu zittern und setzen Wärme frei, sodass nach kurzer Zeit (wenige Minuten bis zu einer Stunde) wieder willkürliche Bewegungen möglich sind.

Zusammengefasst ist der echte Winterschlaf also ein sehr tiefer Schlaf mit extrem heruntergesetztem Körperfunktionen, um Energie zu sparen. Kurze Wachphasen sind möglich, finden jedoch nur sporadisch statt.

Winterruhe

Im Unterschied zum Winterschlaf befinden sich winterruhende Tiere in einer nicht ganz so tiefen Ruhe- und Schlafphase wie die echten Winterschläfer.

Der Braunbär, der Waschbär, das Eichhörnchen und der Dachs halten Winterruhe. Dabei ziehen diese sich in ihre Höhle zurück und verschlafen den Winter ebenfalls. Im Unterschied zu Tieren im Winterschlaf erwachen diese jedoch immer mal wieder und nehmen, wenn der Winter oder die Vorräte es zulassen, Nahrung zu sich und verrichten in der Höhle ihr Geschäft.

Der Schlaf während der Winterruhe ist ein ganz normaler Ruheschlaf. Körpertemperatur, Energieverbrauch, Herz- und Atemfrequenz, sowie die Sinneswahrnehmungen bleiben auf einem normalen Niveau. Die Einsparung an Energie wird nur durch das Ruhen (Schlafen) erreicht.

Braunbären im kalten Sibirien verbringen so bis zu sieben Monate winterruhend, nicht winterschlafend, in ihrer Höhle.

Fledermäuse schlafen kopfüber hängend in Höhlen und verpassen so einen Großteil des Winters.

Winterstarre

Wechselwarme Tiere, also Tiere, die über keine konstante Körpertemperatur verfügen, verfallen im Winter in eine Winterstarre. Dazu gehören Fische, Frösche, Eidechsen, Schildkröten und einige Insekten.

Im Gegensatz zu gleichwarmen Tieren, die Winterschlaf halten, sorgt bei Frosch und Fisch keine körpereigene Uhr für den Beginn der Winterstarre. Tiere, die in eine Winterstarre verfallen, tun dies aufgrund der rapide absinkenden Außentemperatur im Winter.

Die Körpertemperatur entspricht dabei in etwa der Außentemperatur. Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel werden ebenfalls auf ein Minimum reduziert.

Bewegungen sind während der Starre nicht möglich.

Sinkt die Umgebungstemperatur zu tief ab, erfrieren die Tiere, da es keinen Mechanismus wie bei winterschlafenden Tieren gibt, welcher die Körpertemperatur automatisch wieder hochregelt. Um bei Temperaturen unter null Grad Celsius nicht zu erfrieren, suchen sich diese Tiere geeignete frostgeschützte Plätze, um dort zu überwintern. Bewegungen sind während der Starre nicht möglich.

Das Schlaflexikon der besonderen Winterschläfer: Wer schläft wie und wie lange?

Winterschläfer:

  • Igel: Die ersten Igel ziehen sich im Oktober oder Anfang November in ihr Nest zurück. Dort schlafen sie fünf bis sechs Monate, um dann bei Temperaturen ab zehn Grad Celsius zu erwachen und wieder auf Nahrungssuche zu gehen. Igel erwachen einige Male im Winter. Sie ernähren sich dann von ihren Vorräten oder gehen, wenn sie müssen, sogar auf Nahrungssuche.
  • Murmeltiere: Murmeltiere sind die echten Kuscheltiere unter den Winterschläfern. Bis zu 20 Tiere legen sich gemeinsam in einen Bau. Den Winter über geben sie sich so gegenseitig ihre Körperwärme und schützen Jungtiere in ihrer Mitte vor dem Erfrieren. Bis zu neun Monate lang verbringen Murmeltiere so kuschelnd in ihrem Bau.
  • Fledermäuse: Fledermäuse halten auch den Winterschlaf kopfunter an Decken von Höhlen hängend. In Scharen schlafen sie so gemeinsam fünf bis sechs Monate lang.

Winterruhende Tiere:

  • Braunbären: Braunbären halten je nach Temperatur einen längeren bis gar keine Winterruhe. Im sehr kalten Sibirien ruhen diese bis zu sieben Monate lang in ihrer Höhle. Hier bei uns im Zoo ruhen Braunbären gar nicht mehr. Die warme Umgebung erlaubt es ihnen auch im Winter wach durch die Gegend zu trotten.

Tiere in der Winterstarre:

  • Schildkröten: Bestimmte Schildkröten verbringen den Winter in Winterstarre auf dem Grund ihrer Gewässer. Dabei nehmen sie Sauerstoff über von vielen Blutgefäßen durchzogenen Papillen auf, welche sich im Mund und Rachenraum oder sogar auf der Analblase befinden. Eine erhöhte Glukosekonzentration in der Körperflüssigkeit kann ein Erfrieren bei Frost verhindern.
  • Kreuzottern: Kreuzottern suchen sich im Winter für vier bis acht Monate ein Versteck, um in die Winterstarre zu verfallen. Das Besondere dabei ist, dass sich die Schlangen das Versteck zu mehreren teilen, oft auch mit anderen Reptilienarten.

Fragen und Antworten zum Thema "Winterschlaf"

Quellenverzeichnis