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Schlafstörungen

Schlafentzug: Foltermethode und Heilmittel?

Benito Schilling

Veröffentlicht von Benito Schilling am 02.05.2019

Die CIA nutzte Schlafentzug als Foltermethode in Guantanamo, Insassen wurden wach gehalten, um so ihren Willen zu brechen und Zugang zu geheimen Informationen zu erlangen. In der Medizin wird Schlafentzug als probates Mittel gegen Depressionen eingesetzt und kann kurzfristig die Symptome dieser lindern. Doch wie viel Schlaf braucht der Mensch eigentlich und was passiert während eines Schlafentzugs?

Wie lange können wir wach bleiben?

Es wird davon ausgegangen, dass wir jede Nacht zwischen sechs und acht Stunden Schlaf benötigen. Dieser Wert ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich, alles darunter und auch Schlafzeiten, die signifikant über acht Stunden liegen sind möglich und können für einen persönlich funktionieren.

Der Brite Tony Wright stellte 2007 den Weltrekord im Schlafentzug auf. Er blieb über 266 Stunden wach und brach somit den Rekord von Randy Gardner (264 Stunden).

Der Brite Tony Wright stellte 2007 den Weltrekord im SchlafentzugWeltrekorde im Wachbleiben und Schlafen auf. Er blieb über 266 Stunden wach und brach somit den Rekord von Randy Gardner (264 Stunden).

Schlafentzug als Foltermethode

Viele kennen sich mit den ersten Anzeichen eines Schlafentzuges aus. Schichtarbeit, fordernde Jobs, oder die letzte Nacht vor Abgabe einer Hausarbeit können für ein Schlafdefizit am nächsten Tag sorgen. Dieses äußert sich dann in Form von Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und gegebenenfalls mit anderen körperlichen Symptomen wie Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, einem erhöhten Risiko für Diabetes und Infektanfälligkeit.

Eine ganz andere Dimension des Schlafentzuges erreicht die damit einhergehende Foltermethode, angewandt von verschiedenen Regierungen auf der ganzen Welt um an Informationen zu gelangen. Unter anderem in Guantànamo auf Kuba, dem Internierungslager der USA.

Gefangene wurden dort bis zu 180 Stunden wachgehalten. Dabei waren diese nackt, mussten stehen oder hocken, wurden mit lauter Musik beschallt oder mit Eiswasser übergossen.

Symptome eines langen Schlafentzuges:

  • Veränderte Sinneswahrnehmungen
  • Denkstörungen
  • Halluzinationen
  • Reizbarkeit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Schizophrenie-artige Symptome

Schlafentzug gegen Depressionen

In vielen psychiatrischen Kliniken wird Schlafentzug aber auch als zusätzliche Heilmethode bei Depressionen angewendet. Patienten werden dabei eine ganze Nacht wachgehalten und dürfen erst am Abend des nächsten Tages wieder ins Bett gehen und schlafen. Eine Besserung der depressiven Symptomatik tritt oft schnell ein. Allerdings kann diese Besserung schon nach einer durchschlafenen Nacht oder sogar nur kleinen Mittagsschläfchen nachlassen.

Während einer Schlafentzugs-Therapie werden Patienten im Krankenhaus angewiesen, wach zu bleiben und werden, wenn nötig, immer wieder von Pflegern geweckt.

Um der hohen und schnellen Rückfallrate entgegenzuwirken, wenden Ärzte die sogenannte Schlafphasenvorverlagerung an. Hierbei müssen die Patienten am Tag nach der ersten durchgemachten Nacht schon um 17 Uhr ins Bett gehen und um zwölf Uhr nachts wieder aufstehen. Am nächsten Tag gehen die Patienten um 18 Uhr ins Bett und stehen um ein Uhr nachts wieder auf. Dieser Rhythmus wird solange fortgeführt, bis wieder ein normaler Schlaf-Wach-Rhythmus von 23 Uhr nachts erreicht ist.

Eine anschließende Lichttherapie, bei der die Patienten eine halbe Stunde jeden Tag in helles Licht einer speziellen Lampe schauen, kann so für ein längeres symptomfreies Intervall sorgen.

Wirkweise

Warum genau sich der Schlafentzug positiv auf eine Depression auswirkt, ist nicht ganz klar. Vermutet werden aber zwei Mechanismen:

Die Serotonin-Theorie

In einer Studie konnten Forscher nachweisen, dass die Serotonin-Konzentration und die Konzentration des Serotonin-Vorläufers Tryptophan während eines Schlafentzuges ansteigen. Serotonin gehört zu den sogenannten Glückshormonen. Bei der Depression wird eine gestörte Serotoninbalance im Hirn vermutet.

Die Theorie der synaptischen Plastizität des Hirns

Die synaptische Plastizität unseres Gehirns beschreibt die Fähigkeit von Neuronen, sich zu verändern. So kann sich das neuronale Netzwerk weiterentwickeln, verändern und neue Gedächtnisinhalte anlegen. Bei Menschen mit Depression scheint diese neuronale Plastizität vermindert zu sein. Im Wachzustand erhöht sich die Verbindungsstärke der Neuronen im Hirn, somit quasi auch die synaptische Plastizität, was für die Besserung der Symptome verantwortlich sein könnte.

Fragen und Antworten zum Thema "Schlafentzug"

Quellenverzeichnis