bsb-logo
LOGIN

Schlafstörungen

Coffee Nap: Das clevere Nickerchen bei ungewollter Müdigkeit

Hannes Daher

Veröffentlicht von Hannes Daher am 06.05.2019

Noch viel zu wenige Menschen haben von dem sogenannten „Coffee Nap“, dem Kaffee-Nickerchen, gehört. Dabei ist dieses Nickerchen ein wahres Wundermittel gegen ungewollte Müdigkeit am Steuer oder am Nachmittag. Doch was ist dieser Coffee Nap eigentlich? Wie funktioniert er und was gilt es zu beachten? Diese und weitere Informationen erfahrt Ihr hier.

Coffee Nap - Was ist das eigentlich?

Der Name sagt es eigentlich schon: Der Coffee Nap ist Kaffee kombiniert mit einem Nickerchen. Dabei wird zuerst Kaffee getrunken und kurz danach ein kurzes Schläfchen (maximal 20 Minuten) gehalten. Beides zusammen soll dann bewirken, dass man nach dem Coffee Nap besonders wach und energiegeladen ist. Übrigens ist Kaffee nicht das einzige Lebensmittel, das verwendet werden kann. Wichtig ist, dass man Koffein zu sich nimmt. Dieses findet man zum Beispiel in:

  • Espresso
  • Bitterschokolade
  • Filterkaffee
  • Schwarzem Tee
  • Energy Drinks
  • Cola
  • Mate

Doch wann hilft ein Coffee Nap besonders?

Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Kombination aus der Aufnahme von Koffein und einem darauffolgenden kurzen Nickerchen viel effektiver ist als beides allein. Besonders von Vorteil ist dies in den folgenden Beispielsituationen:

Coffee Nap bei Müdigkeit während des Autofahrens

Viele Autofahrer haben speziell nachts oder abends mit starker Müdigkeit zu kämpfen, da ihr Gehirn vom Tag erschöpft ist. Es droht der Sekundenschlaf, der schon manchen Menschen das Leben gekostet hat. Empfehlungen waren bisher: Anhalten und sportliche Übungen machen, wenn man müde wird, oder eben ein kurzes Nickerchen halten. Da der Coffee Nap effektiver ist als das Schläfchen allein, sollte man dieses am besten ausprobieren.

Der Coffee Nap ist der effektivste Weg, um Müdigkeit am Steuer zu bekämpfen.

Coffee Nap beim Mittags-Tief

Wer kennt es nicht: Nach dem Mittag ist man richtig müde und so gar nicht leistungsfähig. Ein kurzer Coffee Nap zwischendurch könnte aber dafür sorgen, dass man danach wieder topfit ist. Es ist der effektivste Weg, um bis zum Feierabend wieder alles geben zu können.

Wie der Coffee Nap wirkt

Kaffee und andere Getränke bzw. Lebensmittel enthalten Koffein. Dieses Koffein wird teilweise vom Magen, aber größtenteils vom Darm, resorbiert. Bis das Koffein aber letztendlich in die Blutbahn und ins Gehirn gelangt, dauert es ungefähr 20 Minuten.

Koffein kann dann die Blut-Hirn-Schranke fast ungehindert durchdringen und somit relativ schnell im Gehirn wirken.

Der Coffee Nap hilft auch im Büro, um nachmittags noch alles geben zu können.

Koffein wirkt aber als Gegenspieler zum Adenosin

Koffein ist ein sogenannter Antagonist (Gegenspieler) zum körpereigenen Botenstoff AdenosinAdenosin: Der Sandmann im Körper, welcher für Müdigkeit sorgt. Dabei ist das Koffein in seiner Struktur dem Adenosin ähnlich und kann also an dessen Rezeptoren binden.

Der Gegenspieler erhöht also die Aktivität in Gehirnarealen, die für Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Bewegung zuständig sind. Wenn man also einen Antagonisten wie Koffein in Form von Kaffee oder Tee zu sich nimmt, dann führt das also dazu, dass man eher munterer wird.

Info Box Logo

Paradox, aber wahr:

Die Kombination aus Koffein und Schlaf klingt erst einmal sehr paradox, da beide Bestandteile sich ja bekanntermaßen ausschließen. Jeder weiß eigentlich, dass Koffein im Kaffee wach macht oder hält. Dies ist auch der Grund, warum viele Menschen Kaffee morgens nach dem Aufwachen oder nachmittags trinken. Doch das richtige Timing ist der Trick, denn es braucht einige Zeit, bis das Koffein im Gehirn ankommt und wirken kann. Ein Schläfchen nach dem Kaffee sorgt dann dafür, dass das Koffein noch viel effizienter wirken kann.

Der Coffee Nap verstärkt die Wirkung des Koffeins

Das Koffein ist aber in seiner Wirkung begrenzt, da ein Großteil der Adenosin-Rezeptoren bereits vom Adenosin besetzt sind. Das gilt insbesondere, wenn man schon sehr müde ist. Zwar kann Koffein Adenosin auch aus seinem Rezeptor verdrängen, dies ist aber nur bis zu einem gewissen Grad möglich.

Genau hier setzt jetzt der Trick des Coffee Naps an. Man weiß, dass der Körper das Adenosin bereits durch ein kurzes Schläfchen abbaut. Der Organismus reinigt sich also von diesem „Müdigkeits-Molekül“. Daraus folgt, dass auch die Rezeptoren vom Adenosin befreit werden.

Das Koffein benötigt circa 20 Minuten, um ins Gehirn zu gelangen. Das Nickerchen hilft nun dabei, dass das Koffein beim Eintreffen im Gehirn direkt an die Adenosin-Rezeptoren binden kann. Es sind nämlich wesentlich mehr Rezeptoren frei als davor. Das Koffein hat somit eine viel stärkere Wirkung im Gehirn. Nach dem Aufwachen fühlt man sich deshalb umso wacher und voller Energie.

Es sollte genau anders herum sein: Erst den Kaffee, dann das Nickerchen! Anschließend kann man wieder energiegeladen aufwachen.

Was muss beim Coffee Nap beachtet werden?

Natürlich gibt es auch ein paar Kleinigkeiten zu beachten, damit der Coffee Nap mit maximalem Erfolg ablaufen kann.

Dauer des Coffee Naps

Das Nickerchen sollte nicht länger als 20 Minuten gehen, weil der Körper sonst in tiefere Schlafphasen übergeht. Wacht man zu spät auf, kann es zur unangenehmer Schlafträgheit kommen. Außerdem haben Experimente gezeigt, dass man wach sein sollte, wenn das Koffein im Gehirn ankommt.

Art des Schlafes

Es ist nicht nötig, in einen Tiefschlaf zu verfallen. Halbschlaf-Nickerchen oder „Dösen“ sind genauso effektiv.

Das richtige Timing

Das Koffein sollte sehr zügig und in möglichst einem Stück zu sich genommen werden. Man sollte sich also nicht allzu viel Zeit mit dem Trinken des Kaffees lassen. Dies ermöglicht ein geeignetes Zeitfenster, um lang genug schlafen zu können, bevor das Koffein das Gehirn erreicht. Man sollte also unmittelbar nach dem Kaffee versuchen, zu schlafen.

Häufige Fragen zum Artikel

Hannes Daher

Master der Biochemie

Hannes ist Master der Biochemie und hat sich schon immer für die molekularen Voraussetzungen des gesunden Schlafs interessiert. Als angehender Wissenschaftler wurde ihm schnell bewusst, dass guter Schlaf ein Schlüsselfaktor ist, um am nächsten Tag wieder alles geben zu können. Gern möchte er sein Wissen weitergeben, um dem guten Schlaf zu einem gehobenen Stellenwert zu verhelfen. Hannes ist bei besserschlafen.de Experte für die biochemischen Ursachen von Schlafproblemen und Medizin-Themen.

hannes@besserschlafen.de