bsb-logo

Schlafmittel

CBD-Öl: Das Wunder-Elixier für den Schlaf?

Hannes Daher

Veröffentlicht von Hannes Daher am 06.05.2019

Immer häufiger begegnet einem der Begriff CBD-Öl (Cannabidiol-Öl), da es sich mehr und mehr auf dem Markt finden lässt. Dabei scheint es aufgrund seiner Wirkungen ein wahres Wunder-Elixier zu sein, obwohl die Skepsis und Vorurteile noch groß sind. Denn, wie der Name Cannabidiol schon andeutet, wird es aus Cannabis gewonnen. Doch was ist CBD und wie wirkt es überhaupt? Diese und weitere Informationen erfahrt Ihr hier.

Was ist CBD überhaupt?

CBD ist die Abkürzung für das sogenannte Cannabidiol. Es ist eine Substanz, die aus der Hanfpflanze gewonnen wird und keinerlei berauschende Wirkung hat. Cannabidiol befindet sich vor allem in industriellem Faserhanf und ist zum Beispiel in Form von CBD-Öl frei verkäuflich.

Im Vergleich dazu ist das psychoaktive THC (Tetrahydrocannabinol)Gute-Nacht-Tüte: Cannabis als Schlafmittel? nur in Drogenhanfsorten zu finden, streng rezeptpflichtig und ohne Rezept illegal in Deutschland.

Es ist eigentlich jedem bekannt, dass das THC Rauschzustände verursacht. Vielen ist aber unklar, dass CBD diese berauschende Wirkung überhaupt nicht besitzt. CBD und THC zählen zwar beide zu den Cannabinoiden, haben aber komplett verschiedene Wirkungsweisen.

Cannabinoide sind chemische Verbindungen, welche hauptsächlich in der Hanfpflanze gefunden wurden. Sie wirken unter anderem auf die Cannabinoid-Rezeptoren und beeinflussen dadurch Botenstoffe im Gehirn. Jedoch unterscheiden sich zum Beispiel CBD und THC in ihrer chemischen Struktur und deshalb auch in ihrer Wirkung auf den Körper erheblich.

Links Tetrahydrocannabinol (THC) und rechts Cannabidiol (CBD). Deren kleinste strukturelle Verschiedenheiten führen auch zu unterschiedlichen Funktionen im Körper.

Beispiele für die Unterschiede sind die Folgenden:

Während THC zu einem Rausch führt, unterdrückt CBD diesen sogar und ist somit nicht psychoaktiv. CBD wirkt beispielsweise appetithemmend und wird daher häufig bei Diäten eingesetzt. THC hingegen wirkt appetitanregend und kommt aus diesem Grund bei Krebstherapien zum Einsatz. CBD hat, im Gegensatz zu THC, keinen negativen Einfluss auf die Gedächtnisleistung, sondern bewirkt eigentlich sogar eine Steigerung. CBD dämpft Angstzustände und Herzrasen. Im Gegensatz dazu kann THC sogar Angstzustände hervorrufen.

Wie kann CBD im Körper wirken?

Interessanterweise ist der menschliche Körper auch in der Lage, eigene Cannabinoide zu produzieren. Diese körpereigenen Substanzen werden Endocannabinoide genannt. Das damit verbundene Endocannabinoid-System wurde bei der Erforschung der Wirkungsweisen von Cannabis im menschlichen Körper entdeckt.

Dabei wirken die Cannabinoide hauptsächlich über zwei Rezeptoren, welche CB1-Rezeptor und CB2-Rezeptor genannt werden. Diese Rezeptoren kommen hauptsächlich im Gehirn vor, aber lassen sich auch in anderen Organen, Drüsen, im Verdauungstrakt, der Haut und Geweben finden.

Der CB1-Rezeptor hat beispielsweise unter anderem Einfluss auf die Koordination bzw. Bewegung, Schmerzen, Emotionen, Denken, Appetit und Erinnerungen. CB2-Rezeptoren stehen wiederum in Verbindung mit unserem Immunsystem, Entzündungen und Schmerzen.

Einige der Cannabinoide aus der Cannabispflanze, darunter auch das THC und CBD, sind strukturell sehr ähnlich zu körpereigenen Botenstoffen. Deshalb sind sie dazu fähig, auch an Rezeptoren dieses Endocannabinoid-Systems oder anderer Systeme zu binden.

Das THC bindet zum Beispiel an den CB1-Rezeptor. Dies aktiviert dann die Signalübermittlung in der jeweiligen Zelle. Das CBD oder THC aus der Cannabispflanze wirkt also ähnlich wie ein körpereigenes Hormon oder Neurotransmitter im Organismus, mit dem Unterschied, dass es eine nicht-körpereigene Substanz ist. Sie imitieren oder ersetzen also einen bestimmten Botenstoff in seiner Wirkung.

Cannabis enthält Cannabinoide. Zwei Vertreter davon sind THC und CBD.

Doch wie wirkt CBD genau?

Die direkten Wirkungsweisen des CBDs sind immer noch nicht vollständig geklärt. Es ist bekannt, dass CBD beispielsweise nur in geringem Maße an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 bindet und aktiviert. Andere Studien zeigten aber auch eine Blockierung dieser Rezeptoren. Neueste Erkenntnisse lassen aber vermuten, dass Cannabidiol keine direkte Wirkung hat, sondern stattdessen den Körper dazu anregt, mehr eigene Cannabinoide zu nutzen.

In Studien zeigte CBD sehr vielfältige Wirkmechanismen auf die verschiedensten Rezeptoren, wie zum Beispiel den CB1-Rezeptor, Vanilloidrezeptoren, den Glycinrezeptor und den 5-HT1A-Rezeptor.

So wurde bereits vor einigen Jahrzehnten entdeckt, dass CBD auch blockierend auf den CB1-Rezeptor wirkt und somit verschiedene Wirkungen von THC (zum Beispiel die psychische Wirkung, die Steigerung der Herzfrequenz, die Appetitzunahme) hemmt.

CBD gilt zudem als schmerzlindernd, indem es den Vanilloidrezeptor aktiviert. Es verstärkt außerdem auch die Wirkung von AdenosinAdenosin: Der Sandmann im Körper, was beispielsweise eine entzündungshemmende Wirkung herbeiführen könnte. Medizinisch soll es entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend, antipsychotisch und gegen Übelkeit wirken. CBD findet deshalb in den folgenden Gebieten Anwendung:

  • Schlafstörungen
  • Brechreiz und Übelkeit
  • Fettleibigkeit, Übergewicht und Diabetes
  • Stress, Überbelastung, Nervosität
  • Depressionen und Angstzustände
  • Krebs
  • Alzheimer
  • Arthrose
  • Epilepsie
  • Hepatitis
  • Nervenkrankheiten
  • Rheuma
  • Suchterkrankungen
  • Asthma und Allergien
  • Morbus Crohn

Wie wird das CBD-Öl hergestellt?

Eine immer beliebtere Form, CBD zu sich zu nehmen, ist das CBD-Öl. Da es keine psychoaktive Wirkung verursacht, ist es absolut legal erhältlich. Zwar hat CBD-Öl keine Zulassung als Arzneimittel, wird dennoch als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Bei der Extraktion von Cannabidiol aus der Cannabispflanze erhält man eine ölige Flüssigkeit, die diverse Cannabinoide in unterschiedlichen Anteilen enthält. Dies ist abhängig von der Art der Pflanze, den Extraktionsverfahren, der Lagerung und Herkunft. Ein Öl, das überwiegend Cannabidiol enthält, wird deshalb CBD-Öl genannt. Neben den verschiedenen Cannabinoiden enthält das Öl aber auch noch andere Stoffe, wie:

  • Omega-3- bzw. Omega-6-Fettsäuren
  • Gamma-Linolensäure
  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente
  • Chlorophyll
  • Carotinoide

Das CBD-Öl gibt es dann in verschiedensten Konzentrationen und für die unterschiedlichsten Anwendungen.

CBD-Öl wird aus Cannabispflanzen gewonnen.

Wichtig ist, dass der THC-Gehalt 0,2 Prozent nicht überschreiten darf. Es dürfen also nur Hanfsorten benutzt werden, die auch von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zugelassen sind.

Es gibt weiterhin mehrere Extraktionsmethoden, wobei generell auf eine schonende Verarbeitung geachtet werden muss. Am Ende sollten alle wertvollen Inhaltsstoffe im CBD-Öl enthalten sein und so gut wie möglich der lebenden Hanfpflanze entsprechen. Dies erreicht man besonders durch eine milde Extraktion bei geringen Temperaturen.

CBD-Öl gegen Schlaflosigkeit?

Wie bereits erwähnt, wird CBD-Öl oft bei Schlafproblemen eingesetzt. Schlaflosigkeit führt häufig zu Folgeproblemen wie Anspannung, Erschöpfung und einer verminderten Leistungsfähigkeit. Viele Menschen greifen deshalb auf SchlafmittelRezeptpflichtige Schlafmittel: (Neben-) Wirkungen und Abhängigkeit zurück. Allerdings haben diese auch viele Nebenwirkungen und können sogar abhängig machen.

CBD-Öl stellt hier also eine Alternative dar, die als nebenwirkungsfrei gilt. Dabei sollen schon einige Tropfen täglich ausreichen, um erheblich besser schlafen zu können.

CBD-Öl wird häufig auch bei Schlafstörungen und Schlaflosigkeit angewendet.

Es konnten mehrere therapeutische Effekte von CBD im Zusammenhang mit dem Schlaf in Studien bewiesen werden. So hat die Gabe von CBD beruhigende Effekte bei gesunden Probanden, aber auch bei Menschen mit Schlaflosigkeit bewirkt. Dabei wurde die gesamte Schlafzeit erhöht und es gab auch weniger Unterbrechungen während des Schlafes.

Außerdem konnte gezeigt werden, dass die Erinnerung an Träume reduziert wurde, ebenso wie „Hangover“-Empfindungen beim Aufwachen. Auf der anderen Seite bewirkten kleinere Dosen CBD eine gesteigerte Wachheit tagsüber. Dies sorgte dann für eine gestärkte und normale Schlaf-Wach-Regulation und verbesserte das abendliche Einschlafen.

Weitere Studien belegten, dass eine tägliche Gabe von CBD die sogenannten REM-Schlaf-Verhaltensstörungen bei Parkinson Patienten reduzieren konnte. Bei einer solchen Verhaltensstörung werden während des REM-Schlafes lebhafte oder erschreckende Träume in einfache und auch komplexe Bewegungen umgesetzt. Dieses Verhalten kann deshalb zum Aufwachen führen. Im schlimmsten Fall kommt es zu eigenen Verletzungen, beziehungsweise Gefährdungen von anderen Personen.

Außerdem konnte CBD bei Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen dazu beitragen, Angstzustände zu verringern und somit den Schlaf zu verbessern.

Es gibt aber auch Kritik...

Jedoch stehen die genauen Funktionsweisen und Wirkmechanismen des CBDs noch in großer Kritik. In einer aktuellen Studie wurden 27 gesunde Probanden mit CBD oder einem Placebo behandelt und die Auswirkungen auf das Schlafverhalten analysiert. Dabei wurden angstlösende Mengen eingesetzt, die in vorherigen Studien einen positiven Einfluss auf den Schlaf hatten.

Es kam heraus, dass CBD keinen signifikanten Effekt auf den Schlafzyklus der Probanden zeigte. Hingegen hatten angstlösende Substanzen, wie Benzodiazepine, starke Veränderungen dieser Zyklen zur Folge. Doch weitere Studien mit größeren Probandenzahlen und anderen Konzentrationen stehen im Fokus zukünftiger Untersuchungen. Die „Wunder-Wirkungen“ des CBD-Öls bleiben also vorerst kontrovers.

Häufige Fragen zum Artikel

Hannes Daher

Master der Biochemie

Hannes ist Master der Biochemie und hat sich schon immer für die molekularen Voraussetzungen des gesunden Schlafs interessiert. Als angehender Wissenschaftler wurde ihm schnell bewusst, dass guter Schlaf ein Schlüsselfaktor ist, um am nächsten Tag wieder alles geben zu können. Gern möchte er sein Wissen weitergeben, um dem guten Schlaf zu einem gehobenen Stellenwert zu verhelfen. Hannes ist bei besserschlafen.de Experte für die biochemischen Ursachen von Schlafproblemen und Medizin-Themen.

hannes@besserschlafen.de