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Schlafstörungen

Stärkt schlafen das Immunsystem?

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Mathilda Winter

Veröffentlicht von Mathilda Winter am 10.04.2020

Aktuelle Studien bestätigen, dass ausreichend Schlaf für ein starkes Immunsystem wichtig ist. Jetzt entdecken Wissenschaftler einen neuen Mechanismus, über den Schlaf unsere Immunzellen in ihrer Arbeit unterstützt.

Krankheit steigert das Schlafbedürfnis

Jeder, der es selbst schon einmal erlebt hat, weiß, dass man sich während einer Grippe müde und abgeschlagen fühlt. Dafür sind vermutlich Botenstoffe verantwortlich, die während einer akuten Immunreaktion ausgeschüttet werden und die zu einem vermehrten Schlafbedürfnis führen. Der Körper fordert eine Ruhephase ein, um sich auf die Bekämpfung des Erregers zu konzentrieren.

Aber was passiert mit unserem Immunsystem, wenn wir schlafen?
Kann ausreichend Schlaf davor schützen, krank zu werden?

Genug Schlaf – weniger Erkältungen

Eine Studie der University of California, San Francisco bestätigt, dass Schlafmangel das Erkältungsrisiko deutlich erhöht. Nachdem die Teilnehmer des Experiments eine Woche ihr Schlafverhalten dokumentiert hatten, wurden ihnen typische Erkältungsviren auf die Nasenschleimhaut gegeben. Das Ergebnis war erstaunlich: Probanden, die durchschnittlich weniger als sechs Stunden schliefen, erkälteten sich 4,2 Mal häufiger. Wer regelmäßig mehr als sieben Stunden Schlaf bekam, hatte dagegen kein höheres Risiko, krank zu werden.

Probanden, die durchschnittlich weniger als sechs Stunden schliefen, erkälteten sich 4,2 Mal häufiger.

Schlafmangel beeinträchtigt unsere Immunzellen

Warum unser Immunsystem nachts so gut arbeiten kann, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Mittlerweile ist aber ein Mechanismus bekannt, über den Schlaf das Immunsystem unterstützt. Forscher der Universitäten Lübeck und Tübingen konnten zeigen, dass schon drei Stunden Schlafentzug die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt.

T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten), den Wächtern des Immunsystems. Sie sind als wichtige Abwehrzellen im Blut dafür zuständig, von Erregern befallene Zellen zu erkennen, an sie zu binden und sie unschädlich zu machen.

Als wichtige Abwehrzellen waren sie deshalb für die Wissenschaftler von großem Interesse. Insbesondere schauten sie sich an, wie gut die T-Zellen in der Lage waren sich an eine kranke Zelle anzuheften. Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass der Erreger im zweiten Schritt vernichtet werden kann.

Und tatsächlich enthielt das Blut von Personen, die nachts wach bleiben mussten, weniger aktive T-Zellen als das Blut von Schlafenden um dieselbe Uhrzeit.

Schon drei Stunden Schlafentzug beeinträchtigt die Funktion der T-Zellen.

Schuld daran sind unter anderem die Hormone Adrenalin und Prostaglandin. Sie sind im Wachzustand in größeren Mengen im Blutkreislauf vorhanden und hemmen die T-Zellen. Das Stresshormon Adrenalin wird vermehrt ausgeschüttet, wenn wir psychischem oder körperlichem Stress ausgesetzt sind. Wenn wir nachts zur Ruhe kommen ist der Hormonspiegel am niedrigsten und die Immunzellen können ungestört arbeiten.

Zu wenig Schlaf gefährdet den Impferfolg

Für die meisten Mediziner sind Impfungen eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin - sie bieten die Möglichkeit, uns vor Infektionskrankheiten zu schützen. Impfstoffe enthalten abgeschwächte Viren oder Bakterien oder nur noch Bestandteile von ihnen und täuschen eine Infektion vor, ohne dass sie die Krankheit tatsächlich hervorrufen können. Als Reaktion bildet der Körper Gedächtniszellen und Antikörper und ist zu einem späteren Zeitpunkt gut gegen diesen Erreger gewappnet.

Impfungen sind deutlich wirksamer, wenn man ausreichend schläft.

Aber nicht alle Menschen, die geimpft werden, bauen einen ausreichenden Schutz auf. Bei manchen bildet das Immunsystem weniger oder gar keine Antikörper. Laut einer Studie hat man ein 11,5 Mal höheres Risiko, zu den sogenannten Impfversagern zu gehören, wenn man in der Woche vor einer Impfung weniger als sechs Stunden schläft. Auch hier ist die Empfehlung, mindestens sieben Stunden zu schlafen, um am meisten von einer Impfung zu profitieren.

Was wir daraus lernen können

Studien der letzten Jahre zeigen, dass Schlaf einen großen Einfluss auf das menschliche Immunsystem hat. Wie genau das abläuft, weiß die Wissenschaft aber noch nicht, die T-Zellen machen lediglich einen kleinen Teil unseres komplexen Immunsystems aus.

Man kann der Volksweisheit trotzdem Glauben schenken. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, sollte sich regelmäßig mindestens sieben Stunden Schlaf gönnen – die Wahrscheinlichkeit, sich zu erkälten, ist dann geringer.

Allerdings steigert übermäßig viel Schlaf die Abwehrkräfte nicht über einen gewissen Punkt hinaus. Ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind grundsätzlich anfälliger - auch Schlaf kann ihr Immunsystem nicht in das eines jungen Gesunden verwandeln.


Quellenverzeichnis

Mathilda Winter

Mathilda studiert Medizin an der Charité und möchte Kinderärztin werden. Neben dem Studium hat sie als Nachtwache im Krankenhaus gearbeitet und in der Zeit viel über das Schlafen gelernt - unter anderem was es heißt, wirklich müde zu sein. Jetzt schreibt sie bei besserschlafen.de über wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Schlafforschung und will dabei vor allem eins: Hilfreiche Tipps für eine erholsame Nacht geben.

mathilda@besserschlafen.de