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Schlafstörungen

Enuresis nocturna: Bettnässen

Enuresis nocturna, aus dem griech.: Enuresis = Einnässen, nocturna = nächtlich
Pari Sepehrband

Veröffentlicht von Pari Sepehrband am 04.09.2019

Nasse Bettlacken und ein verschämtes Kind: für viele Familien ist das kein seltenes Bild. Etwa 640.000 Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren sind von nächtlicher Inkontinenz betroffen. Mehr zu den Symptomen und Ursachen, erfahrt ihr hier.

Enuresis nocturna

Das Trocken – und Sauberwerden gehört zu dem natürlichen Entwicklungsprozess eines Kindes. Der Zeitpunkt, an dem ein Kind „trocken ist“, ist jedoch von Kind zu Kind unterschiedlich. Ein Großteil der Kinder ist bereits im Alter von fünf Jahren in der Lage, selbstständig die Toilette für die Blasenentleerung zu verwenden. Das heißt, sie benötigen keine Windeln mehr, verfügen über eine vollständige Blasenkontrolle und bleiben tagsüber, sowie auch während der Nacht trocken.

Aber auch im Alter zwischen fünf und sieben Jahren kann es während der Nacht zur unwillkürlichen Blasenentleerung kommen. Kommt es jedoch nach dem fünften Lebensjahr, mehr als zwei mal in der Woche, zum nächtlichen Einnässen während des Schlafs, sprechen Experten von nächtlicher Inkontinenz (Enuresis nocturna).

Das Bettnässen kann für Kinder eine große, emotionale Belastung darstellen und das Selbstbewusstsein des Kindes negativ beeinflussen.

Es gibt verschiedene Formen der Enuresis nocturna. Man unterschiedet zwischen der primären Enuresis nocturna und der sekundären Enuresis nocturna.

Primäre Enuresis nocturna

Eine primären Enuresis nocturna bezeichnet das nächtliche Einnässen ohne Unterbrechung durch eine Trockenphase. Dies betrifft den Großteil der von Bettnässen betroffenen Kinder. Eine primäre Enuresis nocturna hängt meist mit einer konstitutionellen Entwicklungsverzögerung des Kindes zusammen

Kommt es jedoch nach dem fünften Lebensjahr, mehr als zwei mal in der Woche, zum nächtlichen Einnässen während des Schlafs, sprechen Experten von nächtlicher Inkontinenz.

Sekundäre Enuresis nocturna

Von einer sekundären Enuresis nocturna ist die Rede, wenn nach einer mindestens sechsmonatigen Trockenphase das nächtliche Einnässen erneut eintritt. Eine sekundäre Enuresis nocturna hängt meist mit psychischen und emotionalen Problemen zusammen. Veränderte Lebensumstände, wie zum Beispiel der Umzug in ein neues Zuhause, die Geburt eines Geschwisterkindes oder ein Schulwechsel, können sogenannte Stressoren für den Gemütszustand des Kindes darstellen. Auch traumatische Erlebnisse, wie zum Beispiel der Verlust eines nahestehenden Menschen, können eine sekundäre Enuresis nocturna auslösen.

Große Mengen Flüssigkeit am Abend belasten die Blase zusätzlich und sollten daher idealerweise vermieden werden.

Des weiteren unterscheidet man zwischen einer Monosymptomatischen Enuresis nocturna (MEN) und einer Non-monosymptomatischen Enuresis nocturna (Non-MEN):

Bei Kindern, die von einer Monosymptomatischen Enuresis nocturna (MEN) betroffen sind, kommt es ausschließlich während der Nacht zum Einnässen.

Bei Kindern, die von einer Non-monosymptomatischen Enuresis nocturna (Non-MEN) betroffen sind, kann es sowohl während der Nacht, als auch am Tage zum Einnässen kommen. Außerdem liegt bei einer Non-MEN meist eine Blasendysfunktion oder eine andere Erkrankung des Harntraktes vor.

Ursachen

Gerade im Hinblick auf die unterschiedlichen Formen, in denen eine Enuresis nocturna auftreten kann, ist die Ursachenfindung nicht immer eindeutig: Diverse Faktoren und Umstände, psychischer und körperlicher Natur, können die nächtliche Inkontinenz beeinflussen oder begünstigen. Dazu gehören unter anderem:

  • Polyurie: Erhöhte Urinproduktion.
  • Blasenfunktion: Die Blasenkapazität des Kindes ist für die Menge des produzierten Urins zu gering.
  • Verzögerte Blasenentwicklung
  • Erhöhte Flüssigkeitszufuhr
  • Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (DSD): Eine muskulär bedingte Blasenfunktionsstörung.
  • Genetische Faktoren: Wie Studien zeigen, ist die Wahrscheinlichkeit für eine primäre Enuresis Nocturna erhöht, wenn eines der Elternteile im Kindesalter bereits betroffen war (44 Prozent).
  • Vasopressin-Mangel: Das Antidiuretische Hormon (ADH) ist ein Peptidhormon, das bei der Blasenfüllung beteiligt ist. Während der Nacht sorgt das Hormon dafür, dass weniger Urin in die Blase gelangt.
  • Aufwachstörung: Der Harndrang (Miktion) führt beim Kind nicht zum Erwachen aus dem Schlaf. Ausbleiben oder gestörte Reaktion auf den Harndrang.
  • SchlafapnoeSchlafapnoe: Schnarchen, Luftnot und Hirnschäden?: In einigen Fällen kann diese Schlafstörung das nächtliche Einnässen verursachen.
  • Psychologische Faktoren: Bei der sekundären Enuresis nocturna liegen oftmals psychische Probleme zugrunde. Zum Beispiel: Eine erhöhte Stressbelastung, eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung oder das Erleben von Ängsten.

Umgang und Behandlung

In den meisten Fällen verschwindet eine Enuresis nocturna von alleine und eine Behandlung wird daher nicht notwendig. Um körperliche Ursachen oder andere zugrundeliegende Erkrankungen auszuschließen, ist es dennoch ratsam ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gerade wenn das Bettnässen nach einer längeren Trockenphase eintritt (sekundäre Enuresis nocturna), ist die ärztliche psychologische Untersuchung und gegebenenfalls Behandlung notwendig.

Ein empathischer und sensibler Umgang ist wichtig, um das Kind in dieser Situation zu unterstützen.

Die nächtliche Inkontinenz ist ein tabuisiertes Thema und geht mit Gefühlen der Scham und Hilflosigkeit einher. Dies kann gerade für Kinder eine große Belastung darstellen und das Selbstbewusstsein des Kindes negativ beeinflussen. Insbesondere in dieser Situation ist es sehr wichtig, dass Eltern ihren Kinder mit Sensibilität, Verständnis, Geduld und Empathie begegnen.

Das könnt ihr zu Hause unternehmen:

  • Auf die Flüssigkeitszufuhr am Abend achten: Für unsere Gesundheit ist Flüssigkeit essentiell. Deshalb sollte das Kind immer genügend trinken. Jedoch sollte sich die Flüssigkeitszufuhr auf den Morgen und frühen Nachmittag konzentrieren. Motiviert euer Kind tagsüber regelmäßig zu trinken. Größere Mengen am Abend sollten idealerweise vermieden werden.
  • Koffeinhaltige und zuckerreiche Lebensmittel führen zu einer erhöhten Urinproduktion und sollten daher vermieden werden.
Insbesondere in dieser Situation ist es sehr wichtig, dass Eltern ihren Kinder mit Sensibilität, Verständnis, Geduld und Empathie begegnen.
  • Das Kind zu regelmäßigen Toilettengängen motivieren: Gerade vor dem Schlafengehen ist es wichtig die Toilettengänge als einen festen Bestandteil der Bett Routine zu etablieren.
  • Außerdem sollte das Kinderzimmer idealerweise sich in der Nähe des Badezimmers befinden.
  • Eine atmungsaktive und wasserdichte Matratzenauflage besorgen, um Hautirritationen im Genitalbereich des Kindes zu vermeiden.

Häufige Fragen zum Artikel

Quellenverzeichnis

Pari Sepehrband

Als Schauspielerin spielte Pari auf der Bühne und schrieb ihre eigenen Theatertexte. Nach ihrer Schauspielausbildung begann sie das Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft. Mittelpunkt ihrer Arbeit ist ein ganzheitliches Verständnis über Gesundheit als Beziehung zwischen Geist und Körper. Gerade die immaterielle Welt des Traums als Ort, der Verborgenes sichtbar macht, ist für sie von besonderem Interesse.

pari@besserschlafen.de