bsb-logo

Schlafstörungen

Restless-Legs-Syndrom: Beinkribbeln und Schlaflosigkeit

www.pexels.de
Benito Schilling

Veröffentlicht von Benito Schilling am 08.06.2019

Wem schon seit längerem das Ein-oder Durchschlafen schwerfällt, weil es permanent in den Beinen kribbelt, der könnte an dem sogenannten „Restless-Legs-Syndrom“ leiden. Bei dieser neurologischen Erkrankung kommt es nachts und in Ruhe zu Missempfindungen in den Beinen, welche sich nur durch Bewegung bessern. Durch die richtige Therapie kann den meisten Patienten geholfen und ein normaler Schlaf wiederhergestellt werden.

Symptome

Eine ganze Reihe von Symptomen können mit dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) einhergehen. Nicht immer weisen Betroffene alle Symptome auf. Grundsätzlich besteht ein Leidensdruck durch Unruhe in den Beinen, vor allem ruhend, nachts im Bett. Diese Missempfindungen führen dazu, dass Betroffene nicht mehr ein- und durchschlafen können, sich so unausgeschlafen und energielos fühlen und im alltäglichen Leben enorm beeinträchtig sind.

Die „Internationale Restless-Legs-Syndrom Studiengruppe“ hat die möglichen Symptome in drei Untergruppen aufgeteilt, um so die Diagnosestellung zu vereinfachen.

Die Minimalkriterien müssen obligat, also zwingend vorliegen, um die Diagnose Restless-Legs-Syndrom zu stellen.

  • Missempfindungen, Kribbeln, Schmerzen in den Beinen
  • Bewegungsdrang der Beine
  • Verstärkung und Auftreten der Symptomatik in Ruhe (zumeist im Bett)
  • Verbesserung der Beschwerden durch Bewegung
  • Periodisches Auftreten der Beschwerden, verstärkt abends und nachts

Die Supportiven Kriterien sind solche, die oft auftreten, jedoch nicht zwingend zur Diagnosestellung vorliegen müssen.

  • Verbesserung der Beschwerden durch die Gabe des Medikaments L-Dopa
  • Familienmitglieder mit den gleichen Beschwerden
  • Periodische Beinbewegungen im Schlaf

Die häufig assoziierten Befunde sind Befunde, welche oft mit dem Restless-Legs-Syndrom vergesellschaftet sind.

  • Schlafstörungen
  • Anfangs unregelmäßige Beschwerden, später dann kontinuierlich
  • Unauffälliger neurologischer Untersuchungsbefund (der Neurologe kann bei der ersten Untersuchung keine neurologischen Auffälligkeiten feststellen)
Missempfindungen in den Beinen können zu Schlafstörungen führen.

Ursachen und Häufigkeit

Bei der primären Form des Restless-Legs-Syndroms wird eine genetische Prädisposition vermutet, auf die verschiedene Umweltfaktoren Einfluss haben und zum Krankheitsausbruch führen. Bei etwa der Hälfte der Patienten leiden andere Familienangehörige an Symptomen.

Info Box Logo

Häufigkeit des Restless-Legs-Syndrom

Neurologische Erkrankungen

Das Restless-Legs-Syndrom zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland.

 

Alter

Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, allerdings häufiger bei älteren Menschen. Zehn Prozent der Menschen über 65 Jahren leiden an RLS, allerdings nur ein Teil davon so schwer, dass Behandlungsbedarf besteht.

 

Geschlecht

Frauen sind doppelt so häufig von RLS betroffen wie Männer.

Die sekundäre Form des Syndroms wird durch primäre Faktoren bedingt, welche dann zum Krankheitsausbruch führen. Das Syndrom kann hier medikamentös bedingt auftreten und durch die Einnahme von Neuroleptika wie etwa Epilepsie-Medikamenten, von Antidepressiva, oder Medikamenten gegen Übelkeit wie MCP-Tropfen hervorgerufen werden.

Frauen sind doppelt so häufig von RLS betroffen wie Männer.

Auch Schwangere leiden häufig unter Unruhe in den Beinen, allerdings verschwinden die Symptome meist nach der Entbindung. Sie sind also auf die temporären Veränderungen des Körpers während der Schwangerschaft zurückzuführen.

Weiterhin gibt es Grunderkrankungen, welche zu dem Syndrom der Unruhe in den Beinen führen können. Eisenmangel, eine Niereninsuffizienz und eine Polyneuropathie (Diabetes mellitus) können die Symptome hervorrufen.

Vermutet wird, dass Veränderungen in der dopaminergen Neuronentransmission im zentralen Nervensystem zu den Beschwerden führen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der an verschiedensten komplexen Vorgängen im Hirn beteiligt ist. Diese Hypothese wird dadurch begründet, dass die Behandlung mit Dopamin meist zu einer Besserung der Symptome führt.

Untersuchung und Diagnose

Die Diagnosestellung beginnt mit der klinischen Untersuchung, also einer körperlichen Untersuchung durch einen Arzt. Im Falle des Restless-Legs-Syndroms wird eine klinisch-neurologische Untersuchung durchgeführt, da es sich um neurologische Beschwerden, einhergehend mit Missempfindungen, handelt.

Interessant ist, dass diese Untersuchung meist unauffällig verläuft. Die Patienten weisen keinerlei neurologische Defizite auf, zeigen normale Reflexe und normale Empfindungen auf die vom Arzt gesetzten Reize.

Nur bei Polyneuropathie-Patienten, deren Nerven durch einen lange bestehenden Diabetes mellitus schon vorgeschädigt sind, zeigen sich Sensibilitätsstörungen und gestörte Reflexe.

Bei der Blutuntersuchung im Labor sollte verstärkt auf einige Parameter geachtet werden, da so insbesondere sekundäre Formen des Syndroms ausgeschlossen werden können. Die Eisen- und Nierenwerte sollten überprüft werden, um einen Eisenmangel und eine Nierenfunktionsstörung ausschließen zu können. Weiterhin müssen die Schilddrüsenwerte und Vitaminspiegel überprüft werden. Denn: Auch eine Schilddrüsenüberfunktion oder ein Vitaminmangel können zu Schlafstörungen führen.

Der L-Dopa-Test

Die wichtigste Maßnahme zur Überprüfung, ob ein Restless-Legs-Syndrom vorliegt, ist der L-Dopa-Test. Hierbei wird dem Patienten einmalig abends der Neurotransmitter L-Dopa (Dopamin) verabreicht. Spricht der Patient auf das Medikament an, bessern sich also seine Symptome, ist der Test positiv. Spricht der Patient nicht auf das Medikament an, ist der Text negativ. Trotzdem kann das Syndrom noch nicht komplett ausgeschlossen werden.

Zusätzlich zu diesen Tests können Patienten, bei denen der Verdacht auf ein RLS vorliegt, auch im Schlaflabor untersucht werden. Hier werden sie die ganze Nacht übe beobachtet, so dass festgestellt werden kann, ob und wann sich die Beine der Patienten bewegen.

Verschiedene Blutwerte können einen Aufschluss darüber geben, ob das Restless-Legs-Syndrom Folge einer ganz anderen Krankheit ist.

Differentialdiagnosen:

Einige Symptome anderer Erkrankungen ähneln denen eines Restless-Legs-Syndroms sehr und können manchmal mit diesem verwechselt werden.

Dazu gehören:

  • Akathisie (Sitzunruhe): Hier beschränkt sich die Unruhe nicht nur auf die Beine, sie betrifft auch den Rumpf. Die Beschwerden treten über den ganzen Tag verteilt auf, nicht nur vornehmlich abends und nachts. Meist wird die Akathisie durch Neuroleptika-Medikamente ausgelöst.
  • Nächtliche Wadenkrämpfe: Plötzlich auftretende Schmerzen, die sich durch Bewegung schnell bessern und nicht lange anhalten.
  • Polyneuropathie: Meist ein Brennen in den Beinen, welches sich nicht durch Bewegung bessert. Oft ist eine Schädigung der Nerven durch eine Diabeteserkrankung der Auslöser.
  • Periodic-Limb-Movement-Disorder: 15 oder mehr Beinbewegungen in der Nacht, welche die Patienten schlecht schlafen lassen. Anders als bei dem Restless-Legs-Syndrom verspüren die Patienten hier keinen Bewegungsdrang, sondern bewegen ihre Beine einfach willkürlich.

Therapie

Allgemein sollte überprüft werden, ob bestimmte Medikamente eingenommen werden, welche die Symptomatik bedingen oder einen verstärkenden Effekt auf diese haben. Solche Medikamente sollten dann in Absprache mit einem Arzt abgesetzt und gegebenenfalls durch andere ersetzt werden. Auch wichtig: die richtige Schlafhygiene. Spätes Essen, Rauchen, Koffein und Alkohol sollten vermieden werden und der Schlafplatz an einem ruhigen dunklen Ort sein.

Die sekundären Formen des RLS können oft gut behandelt werden. Ein Eisenmangel kann durch die Substitution von Eisen gut in den Griff bekommen werden. Eine Niereninsuffizienz kann gegebenenfalls noch optimiert behandelt werden.

Medikamentös kann das RLS meist gut behandelt werden. Hierbei ist die Therapie mit Dopamin oft wirkungsvoll. Bei leichten bis mittleren Beschwerden, können L-Dopa und Decarboxylase-Hemmer (diese hemmen die Verstoffwechselung von L-Dopa in der Peripherie, so dass mehr L-Dopa in das zentrale Nervensystem gelangt) eingenommen werden.

Bei mittleren bis starken Beschwerden können Dopaminagonisten, Stoffe also, die wie Dopamin am Dopaminrezeptor wirken, verwendet werden. Eine Dopamin-Therapie hat oft Nebenwirkungen und sollte nur in enger Absprache mit einem Arzt begonnen werden.

Häufige Fragen zum Artikel

Quellenverzeichnis

Benito Schilling

Medizinstudent und Schlafexperte

Benito ist Medizinstudent und und interessiert sich für alle Themen rund um Gesundheit, Sport und Schlaf. Sein Nebenjob im Schlaflabor eines Uniklinikums bringt ihn in unmittelbare Nähe von Schlafexperten, Neurologen mit der Zusatzbezeichnung Schlafmediziner, welche er frei heraus zu medizinischen Schlafthemen befragt, sobald er bei seinen Recherchen auf Unklarheiten stößt. Er selbst versucht seinen Schlaf jede Nacht auf's Neue zu optimieren und findet, Schlaf sei aus medizinischer Sicht einer der interessantesten Teile der menschlichen Physiologie. Benito ist unser Experte für alle medizinischen Themen rund um Schlaf, Schlafprobleme und der Physiologie dahinter.

benito@besserschlafen.de