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Von Freud bis Fromm: Die Traumdeutung

Der Träumende und der Traum
Pari Sepehrband

Veröffentlicht von Pari Sepehrband am 01.05.2019

Wenn wir schlafen, dann träumen wir. Manche Träume verängstigen uns, an andere Träume können wir uns nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern und aus einigen Träumen möchten wir erst gar nicht erwachen. In Träumen überschreiten wir jegliche Grenzen und Gesetzmäßigkeiten unserer wachen Welt. Doch was bedeuten unsere Träume? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Traumdeutung.

Während wir schlafen...

Während wir schlafen, so Schlafforscher Dr. med. Günther W. Amann-Jensson, regeneriert sich unser Organismus. Emotionaler Stress kann in den Traumphasen verarbeitet werden und Körper und Geist können sich erholen. Unser Akku wird, während wir schlafen, sozusagen aufgeladen.

Anders als im wachen Zustand, richtet sich unser Bewusstsein im Schlaf nicht mehr nach den Prinzipien Wahrnehmung, Reaktion und Anpassung. Äußere Reize, wie wir sie in unserer sinnlich wahrnehmbaren Realität ausgesetzt sind, sind im Schlaf-bzw. im Traumzustand nicht länger von Bedeutung.

Träume sind Ausdruck reinster Subjektivität, in denen der Träumende die einzig maßgebende Instanz ist.

Die Geschichte der Traumdeutung

Träume sind der Ausdruck jeder geistigen Tätigkeit im Zustand des Schlafes. (Aristoteles)

Der Begriff Oneiromantie stammt aus dem Griechischen und beschreibt die Traumdeutung zum Zwecke der Weissagungen. Bereits in der griechischen Antike beschäftigten sich die Menschen mit Träumen und deren Bedeutung. Unter ihnen bedeutsame Philosophen wie Aristoteles und Platon. Der wichtigste Vertreter war Artemidor von Daldis, dessen Traumbuch Oneirokritika das wichtigste Werk der antiken Traumdeutung darstellt.

Bereits in der Antike waren Träume eine wichtige Quelle für Erkenntnis.

Die alten Philosophen verstanden Träume damals als eine Art Tor in die Zukunft. In ihnen sahen sie göttliche Botschaften, die Answeisungen oder Einblick in zukünftige Ereignisse gaben.

Mit Oneirokritika versuchte der Traumdeuter und Wahrsager Artemidor von Daldis die wirren Traumbilder und Symbole zu entschlüsseln und sie hinsichtlich ihrer Bedeutung zu kategorisieren.

Traumdeutung

Sigmund Freud

Sigmund Freud gilt als der Begründer der Psychoanalyse und der modernen Traumdeutung. Der Österreicher ist im Jahre 1856 geboren und verstarb 1939 im Exil in London. Anders als in der Antike, verstand er Träume weniger als ein Tor in die Zukunft, sondern als eines in das Unterbewusstsein des Träumenden.

Er analysierte die Träume seiner Patienten, um daraus Schlüsse über die Struktur der menschlichen Psyche ziehen zu können. Aus diesen Untersuchungen entwickelte er das dreiteilige Modell der Psyche, auch 3-Instanzen-Modell genannt. Nach diesem Modell wird die Psyche des Menschen in drei Instanzen geteilt: Das Ich, das Über-Ich und das sogenannte Es.

Sigmund Freud gilt als der Begründer der Psychoanalyse und der modernen Traumdeutung.

Dem Es kommt eine besonders große Bedeutung zu, da dieses, laut Freud, die vornehmliche Quelle jeglichen menschlichen Handelns und Erlebens darstellt. Es ist der unterbewusste Teil der menschlichen Psyche. Dieser Teil unterliegt dem Triebhaften (zum Beispiel Sexualtrieb oder Hunger) und beeinflusst den bewussten Teil der menschlichen Psyche hinsichtlich Stimulation dieser Triebe.

Das sogenannte Ich stellt im Freudschen Modell den überwiegend bewussten Teil der menschlichen Psyche dar. Er ist für das vernünftige und selbstkritische Denken und Handeln zuständig. Wenn es um die Stimulation der Triebe geht, fungiert das Ich als Vermittler zwischen dem Es und dem Über-Ich. Das Über-Ich ist der Teil, in dem das Gewissen und die Moral sitzen. Es richtet sich nach sozialen Werten und Normen.

Das Studium des Traumes dürfen wir als den zuverlässigsten Weg zur Erforschung der seelischen Tiefenvorgänge betrachten. (Sigmund Freud)

Freud war der Erste seines Faches, der Träume als die individuelle Abbildung seelischen Geschehens interpretierte. Laut ihm offenbaren sich im Traum die tiefsten, inneren Wünsche des menschlichen Unterbewusstseins (Es). All jene Erfahrungen und Erlebnisse, die im Unterbewusstsein verdrängt und verborgen liegen, manifestieren sie sich in der Traumwelt auf verschlüsselte Art und Weise als Symbole.

Der Träumende und seine Traumwelt sind seit der Antike Gegenstand der Traumdeutung.

Die tiefenpsychologische Traumdeutung war Freuds Instrument zur Bewusstmachung des Unterbewussten, zur Selbsterkenntnis und somit zur Heilung psychologischer Erkrankungen. Sie und die freien Assoziationen seiner Patienten bezüglich ihrer Träume waren das Fundament seiner therapeutischen Arbeit. Sein Werk „Traumdeutung“ erschien im Jahre 1899.

C. G. Jung

Der schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (kurz: C. G. Jung) wurde 1875 geboren und starb 1961. Er war ein Wegbegleiter Freuds und gilt als der Begründer der analytischen Psychologie. Jung erweiterte das Freudsche Modell der menschlichen Psyche mit dem Konzept des Kollektiven Unterbewusstseins, beziehungsweise der Lehre über die Archetypen.

Motive und Ideen aus Mythen und Träumen waren für das Verständnis über dieses kollektive Unterbewusstsein für Jungs Arbeit von großer Bedeutung. Jung war überzeugt davon, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner abgespeicherten Erfahrungen.

So verborgen und unbekannt wie die Tiefsee: Das meschliche Unterbewusstsein.

Das Kollektive Unterbewusstsein ist eine überpersönliche Ebene des Unterbewusstseins und gleichzeitig die Basis der menschlichen Psyche. Laut Jung gibt es psychologische Muster und instinktive Verhaltensarten, die alle Menschen, unabhängig von Ort und Zeit, gemein haben und die unwillkürlich auf das Bewusstsein einwirken (Archetypen).

Die Traumdeutung war ebenso Kern der Jungschen Psychoanalyse. Ähnlich wie Freud, sah Jung die Traumwelt als eine Möglichkeit in das Unterbewusste, das Verborgene der menschlichen Psyche zu blicken. Anders als Freud, sah er den Traum jedoch nicht nur als Abbildung unterdrückter und verborgener Triebwünsche. Viel mehr war der Traum für Jung auch ein Einblick in das überpersönliche, kollektive Unterbewusstsein.

Somit stellte der Traum in seinem Sinne eine ganzheitliche Abbildung der individuellen Psyche im Zusammenspiel mit dem kollektiven Unterbewusstsein dar.

Die menschliche Psyche funktioniert, nach Jung, nicht allein im eigenen persönlichen und individuellen Kontext, sondern auch immer in Verbindung mit dem Wesen der Menschheit.

Jung war der Meinung, dass es keine allgemeingültige Systematik geben kann, nach der jeder Traum auf die gleiche Art und Weise zu deuten ist. Schließlich spielt der Träumende selbst auch eine essentielle Rolle und kann nicht vom Traum isoliert werden.

Im Schlaf erschaffen wir eine Traumwelt, die die Grenzen unserer wachen Welt überschreitet.

Erich Fromm

Erich Fromm, der zwischen 1900 und 1980 lebte, war Psychoanalytiker und Sozialpsychologe. Wie schon Freud und Jung zuvor, beschäftigte auch er sich mit dem Traum und seine Bedeutung für den Menschen. Er stimmte den wesentlichen Ergebnissen seiner Vorgänger zu.

Fromm sah den Traum und das Traumgeschehen aber auch als schöpferischen und kreativen Prozess. Ein Prozess, bei dem der Träumende eine Welt erschafft, die die Grenzen der wachen Welt in Wort und Bild überschreitet. Der Traum wiedersetzt sich der physikalischen Dimension von Raum und Zeit und war für ihn Ausdruck einer universellen Sprache.

Der Schlaf, so Fromm, ist die einzige Zeit, in der der Mensch tatsächlich frei ist und keinem äußerlichen Zweck dient.

Häufige Fragen zum Artikel

Pari Sepehrband

Theaterwissenschaft

Als Schauspielerin spielte Pari auf der Bühne und schrieb ihre eigenen Theatertexte. Nach ihrer Schauspielausbildung begann sie das Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft. Mittelpunkt ihrer Arbeit ist ein ganzheitliches Verständnis über Gesundheit als Beziehung zwischen Geist und Körper. Gerade die immaterielle Welt des Traums als Ort, der Verborgenes sichtbar macht, ist für sie von besonderem Interesse.

pari@besserschlafen.de