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Lifestyle & Schlaf

Wie schlafen eigentlich... Dachsammern?

Owen Yin, Unsplash.
Pari Sepehrband

Veröffentlicht von Pari Sepehrband am 25.05.2020

Ob Mensch oder Tier – Schlaf ist für alle Lebewesen eine Lebensnotwendigkeit. Doch wie machen es die Tiere eigentlich? Alles zum Schlafverhalten der Dachsammer und warum sie für die Wissenschaft von besonderem Interesse ist, erfahrt ihr hier.

Wie schlafen Dachsammern?

Das Schlafverhalten der nordamerikanischen Dachsammer unterscheidet sich von anderen Vogelarten. Diese Singvogelart besitzt die Fähigkeit auf ihrem Wanderflug von Alaska nach Mexiko sieben Tage ohne Schlaf auszukommen. So fliegt die Dachsammer in der Nacht und sucht am Tage nach Nahrung – und das ganz ohne Rast.

Das Erstaunliche dabei ist, dass die Singvögel trotz des erheblichen Schlafentzugs, physisch und kognitiv voll leistungsfähig sind. Anders als andere Tiere, kompensieren Dachsammern ihren Schlafentzug nicht durch anschließend intensiveren Schlaf oder Schlafphasen am Tage.

Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Institus für Ornithologie untersuchten im Jahr 2006 erstmals die elektrophysiologischen Schlafmuster von Dachsammern. Das Elektroenzephalogramm (EEG), welches zur Messung der Gehirnaktivität der Vögel eingesetzt wurde, zeigte eine trotz chronischen Schlafmangels unverändert hohe Gehirnleistung der kleinen Singvögel.

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Die Dachsammer (Zonotrichia leucophrys) ist ein nordamerikanischer Singvogel. Sie gehört zu der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes). Es gibt fünf Unterarten der Dachsammer, die sich in Zugverhalten und Brutvorkommen voneinander unterscheiden. Das Winterquartier der Vögel befindet sich überwiegend im Süden der USA und in Mexiko.

 

Außerhalb der Paarungszeit ist die Dachsammer ein Einzelgänger und hält sich nur während der Überwinterung in kleineren Gruppen auf. Charakteristisch für die Dachsammer sind die schwarz weißen Streifen auf ihrem Oberkopf und ihr langer brauner Schwanz. Ihre Nahrung findet sie in Form von Insekten und Samen auf dem Boden oder gelegentlich auch im Flug.


Schlafen und Wachen wie eine Dachsammer?

„Was die Dachsammer kann, kann ich schon lange“ dachte sich der siebzehn jährige Schüler Randy Gardner im Jahr 1965 und stellte den ersten offiziellen Weltrekord in Sachen Schlaflosigkeit auf. Ganze elf Tage, 246 Stunden, verbrachte der Amerikaner ohne Schlaf. Anders als die Dachsammer jedoch, hatte er aufgrund seines Schlafmangels mit gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. So klagte er über Halluzinationen, massiven Konzentrationsabfall und paranoide Gedankenschübe.

Mehr über die Folgen von Schlafentzug für den Menschen erfahrt ihr hierWeltrekorde im Wachbleiben und Schlafen.

In seinem Buch 24/7 Schlaflos im Spätkapitalismus kritisiert der Kunstkritiker Jonathan Crary die Zwänge des neoliberalen Kapitalismus samt medialer Dauerbeschallung und Non-Stop-Betriebs. Dieser sei bis in unsere Schlafzimmer gedrungen und würde uns Menschen den kostbaren Schlaf rauben. Statt Schlaf und Ruhe hieße es dann: konsumieren, kommunizieren und arbeiten. Sein Buch versteht sich zugleich als eine Ode an den Schlaf, dem letzten, schützenswerten Rückzugsort in einem leistungsorientierten System. Anlass für Crarys Kritik ist ein kleiner Singvogel namens Dachsammer.

So ist die Dachsammer seit einigen Jahren Gegenstand von US-amerikanischen Untersuchungen, die das Geheimnis des schlaftrotzenden Vogels zu ergründen versuchen. Finanziert durch das amerikanische Verteidigungsministerium arbeitet die Behörde für Forschungsprojekte DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) mit Wissenschaftler*innen aus dem ganzen Land zusammen. Untersucht werden die Gehirnaktivitäten des Singvogels während der schlaflosen Perioden.

Ziel ist es, diese Erkenntnisse auf das Schlafverhalten des Menschen zu übertragen und somit das Bedürfnis nach Schlaf zu verringern. Das Dachsammer-Projekt ist zunächst als eine militärische Strategie gestartet mit dem kurzfristigen Ziel die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit von Soldat*innen zu optimieren. Langfristig betrachtet sieht Crary hier jedoch die große Gefahr einer allgemeinen Schlafbekämpfung.




Quellenverzeichnis

Pari Sepehrband

Als Schauspielerin spielte Pari auf der Bühne und schrieb ihre eigenen Theatertexte. Nach ihrer Schauspielausbildung begann sie das Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft. Mittelpunkt ihrer Arbeit ist ein ganzheitliches Verständnis über Gesundheit als Beziehung zwischen Geist und Körper.

pari@besserschlafen.de