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Schlafmittel

Wie Vitamin D bei Schlafstörungen helfen kann

Michele Blackwell, Unsplash
Pari Sepehrband

Veröffentlicht von Pari Sepehrband am 05.03.2020

Laut dem DAK-Gesundheitsreport ist die Zahl der Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, seit 2010 um 80 Prozent angestiegen. So klagen immer mehr Menschen über Ein – und Durchschlafstörungen und berichten von einer generellen Tagesmüdigkeit. Aktuelle Studien machen nun auf einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und einem vorliegenden Vitamin-D-Mangel aufmerksam.

Vitamin D

Vitamin D, auch bekannt unter dem Namen Sonnenvitamin, ist ein Sonderfall in der Familie der Vitamine: Im Gegensatz zu anderen Vitaminen, kann Vitamin D im Körper selbst gebildet werden. Genauer gesagt in unseren Hautzellen: Die Einwirkung von Sonnenlicht, beziehungsweise UV-B-Strahlung auf unserer Haut bewirkt eine Umwandlung aus der Vorstufe von Vitamin D (Pro-Vitamin D3 = 7-Dehydrocholesterol) in die Zwischenstufe Prä-Vitamin D3. Durch weitere Stoffwechselvorgänge kommt es schließlich zur Umwandlung in die biologisch aktive Form von Vitamin D (Calcitriol). Aus fachlicher Sicht handelt es sich bei Vitamin demnach um ein Hormon. Ein eher geringer Teil wird durch die Nahrung aufgenommen.

Lebensmittel, die Vitamin D enthalten, sind:

  • Fettreicher Fisch (zum Beispiel Kabeljau, Thunfisch, Hering, Schwertfisch, Lachs)
  • Lebertran
  • Rinderleber
  • Pilze (Shiitake, Maitake, Portobello, Steinpilze)
  • Eigelb, Butter, Milch, Käse
  • Orangensaft
Im Vordergrund steht die körpereigene Bildung des Vitamin D und damit die Empfehlung, Vitamin D durch Sonnenbestrahlung der Haut zu bilden.

Eine Supplementierung durch Vitamin-D-Ergänzungsmittel ist zwar möglich, wird jedoch nur bei einem vorliegenden Vitamin-D-Mangel empfohlen und sollte stets mit ärztlichem Fachpersonal abgesprochen sein.

Funktion und Wirkung

„Vitamin D ist eine der wichtigsten natürlichen Gesundheitsquellen“, schreibt Pr. Dr. med. Jörg Spitz in seinem Buch „Superhormon Vitamin D. Und tatsächlich: Vitamin D werden zahlreiche essentielle Funktionen für unsere Gesundheit zugeschrieben. So ist Vitamin D für die Regulierung unseres Calcium – und Phosphatstoffwechsels zuständig und trägt damit wesentlich für die Gesundheit unserer Knochen bei. Daneben spielt das Sonnenvitamin auch noch bei anderen Stoffwechselvorgängen eine wichtige Rolle.

Vitamin D wird auch Sonnenvitamin genannt, da es über Sonnenstrahlung auf der Haut aufgenommen wird.

Auch für unser Immunsystem und unsere Abwehrkräfte ist Vitamin D wichtig, wie Wissenschaftler des Feinstein Institute for Medical Research in New York bestätigen. So ist Vitamin D an der Aktivierung von T-Lymphozyten (kurz: T-Zellen) beteiligt, welche wiederum unser Immunsystem, beziehungsweise die Immunabwehr steuern.

Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Depressionen gibt, konnte wissenschaftlich noch nicht eindeutig beantwortet werden. Zukünftige Studien bleiben hier von großem Interesse.

Symptome eines Vitamin-D-Mangels

In einer Studie, die das Robert-Koch-Institut zwischen 2008 und 2011 durchführte, wurde der Vitamin-D-Spiegel von 6599 Studienteilnehmern im Alter zwischen 18 und 79 Jahren bestimmt. Bestimmt wurde anhand der Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D im Blutserum. Das Ergebnis: Nur 38,4 Prozent der Erwachsenen wiesen eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung auf. Natürlich ist zu dabei beachten, dass es sich bei Studien um eine beschränkte Momentaufnahme handelt, die in diesem Fall auch saisonales Verschiebungen unterliegt. Auch wenn die Studie auf eine mangelnde Vitamin-D-Versorgung bei einem Großteil der Studienteilnehmer aufmerksam macht, lassen sich keine Schlüsse über eine langanhaltenden Vitamin-D-Mangel ziehen.

In den meisten Fällen erscheinen die Symptome eines Vitamin-D-Mangels sehr subtil, sodass dieser oft unerkannt bleibt. Um einen Vitamin-D-Mangel auszuschließen, ist eine Blutuntersuchung notwendig, anhand derer sich der Vitamin-D-Spiegel bestimmen lässt. Zu den Symptomen und gesundheitlichen Risiken eines Vitamin-D-Mangels können zählen:

  • Erhöhte Infektionsanfälligkeit
  • Schlechtere Wundheilung
  • Haarausfall
  • Weichwerden der Knochensubstanz durch Demineralisierung (Osteomalazie im Erwachsenenalter, Rachitis im Kindesalter)
  • Osteoporose (Verminderung der Knochenmasse)
  • Glieder – und Muskelschmerzen
  • Müdigkeit, Erschöpfung

Vitamin D und Schlaf

Wissenschaftler der Ahvaz Jundishapur Medical Sciences University in Iran untersuchten im Jahr 2017 den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Schlafstörungen. Hintergrund der Untersuchung waren vergangene Studienergebnisse, die zeigten, dass Studienteilnehmer mit Schlafstörungen einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen. Ziel der Studie war es demnach die Wirkung von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln auf die Schlafqualität von Menschen mit Schlafstörungen zu bestimmen.

Die klinische Doppelblindstudie bestand aus 89 Studienteilnehmern im Alter zwischen 20 und 50. Dabei wurden die Studienteilnehmer, welche allesamt unter Schlafstörungen litten, in zwei Gruppen aufgeteilt: 44 Studienteilnehmer erhielten über einen Zeitraum von acht Wochen ein Vitamin-D-Ergänzungsmittel in Höhe von 50 000 Einheiten. Die anderen 45 Teilnehmer erhielten wiederum ein Placebo-Präparat. Die Studie basierte unter anderem auf dem Pittsburgher Schlafqualitäts Index (PSQI).

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Pittsburgh Schlafqualitäts Index (PSQI)

Der Pittsburgh Schlafqualitäts Index (PSQI) wurde von Daniel J. Buysse und anderen Wissenschaftlern des Department of Psychiatry an der University of Pittsburgh im Jahr 1989 entwickelt. Der PSQI ist ein international anerkannter Fragebogen, welcher der Erfassung der Schlafqualität dient. Er kann Hinweis auf eventuell vorliegende Schlafstörungen (Insomnie) geben. Der Fragebogen bezieht sich auf einen Zeitraum von vier Wochen und wird vornehmlich durch Selbsteinschätzung der Patienten beantwortet.

 

Der Fragebogen besteht aus 24 Fragen, wobei die 19. Frage Auskunft über einen möglichen Partner oder Mitbewohner geben soll, der zur Fremdeinschätzung zu Rate gezogen wird. Die restlichen 5 Fragen des PSQI werden dann durch etwaige Fremdeinschätzung beantwortet.

 

Die ersten 18 Fragen unterliegen der subjektiven Selbsteinschätzung der Patienten und werden den folgenden 7 Komponenten zugeordnet:

Subjektive Schlafqualität, Schlaflatenz, Schlafdauer, Schlafeffizienz, Schlafstörungen, Schlafmittelkonsum und Tagesmüdigkeit.

 

Jede der sieben Komponenten wird dabei mit einem Wert zwischen 0 und 3 versehen. Die Summe der sieben Komponenten ergeben dann einen Gesamtwert, der zwischen 0 und 21 Items (hier: Punkten) liegen kann. Es gilt: Je höher der Wert, desto geringer die Schlafqualität.

Die Ergebnisse der Doppelblindstudie von 2017 zeigten eine deutliche Verbesserung der Schlafqualität jener Studienteilnehmer, die Vitamin-D-Ergänzungsmittel erhielten. Die Einnahme des Vitamin-D-Ergänzungsmittels führte zu einer Abnahme der Schlaflatenz, einer Erhöhung der Schlafdauer und zu einer Verminderung der Tagesmüdigkeit.

Vitamin D und Schlafapnoe

Das Schlafapnoe-Syndrom (SAS)Schlafapnoe: Schnarchen, Luftnot und Hirnschäden? ist eine schlafbezogene Atemstörung, bei der es während der Nacht zu Atemaussetzern kommt. Die am weitesten verbreitete Form der Schlafapnoe ist das Obstruktive-Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Betroffene schnarchen sehr laut, wobei das Schnarchen immer wieder durch Atemaussetzer unterbrochen wird. Ein – und Durchschlafstörungen, sowie eine allgemeine Verminderung der Schlafqualität sind die Folge.

In einer Studie von 2018 untersuchte ein Forschungsteam der Democritus University of Thrace in Griechenland den Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Obstruktiven-Schlafapnoe-Syndrom. Die Beobachtung: Patienten, die unter dem Obstruktiven-Schlafapnoe-Syndrom litten, wiesen häufig einen Vitamin-D-Mangel auf.

Nur 38,4 Prozent der Erwachsenen wiesen eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung auf.

Ähnlich wie bei anderen Erkrankungen, gibt es auch bei dem Schlafapnoe-Syndrom diverse Faktoren, die die Entstehung der Krankheit beeinflussen können. Demnach lässt sich nicht sagen, ob ein Vitamin-D-Mangel der Auslöser für eine Schlafapnoe ist. Nichtsdestotrotz hebt das Forschungsteam die positive Wirkung von Vitamin-D bei der Behandlung von Begleiterkrankung hervor und verweist dabei insbesondere auf die niedrigen Kosten, die mit einer Vitamin-D-Supplementierung verbunden sind.

Vitamin D als Schlafmittel

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Themenkomplex Schlaf: Unser Schlafverhalten unterliegt diversen, oft miteinander verbundenen Faktoren, die wir mal beeinflussen und mal nicht beeinflussen können. Ob Vitamin D nun die Lösung gegen schlaflose Nächte ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Fest steht jedoch, dass in vielen Fällen ein Vitamin-D-Mangel und Schlafstörungen zusammen vorliegen. Inwiefern Vitamin D als Schlafmittel helfen kann, bleibt also abzuwarten.

Erwachsene mit niedrigem sozioökonomischen Status sind signifikant häufiger von einem mangelhaften Vitamin-D-Status betroffen.

Bevor ihr euch nun einen Jahresvorrat an Vitamin-D-Kapseln zulegt, solltet ihr jedoch in jedem Fall euren Hausarzt zu Rate ziehen. Dieser kann euch über die Notwendigkeit einer Supplementierung aufklären und die passende Dosierung bei Vorliegen eines Vitamin-D-Mangels bestimmen. Vor einer Eigendosierung wird dringend abgeraten.

Quellenverzeichnis

Pari Sepehrband

Als Schauspielerin spielte Pari auf der Bühne und schrieb ihre eigenen Theatertexte. Nach ihrer Schauspielausbildung begann sie das Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft. Mittelpunkt ihrer Arbeit ist ein ganzheitliches Verständnis über Gesundheit als Beziehung zwischen Geist und Körper.

pari@besserschlafen.de