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Selbsttests & Hilfe

Die richtige Matratze für guten Schlaf

Lara Krüger

Veröffentlicht von Lara Krüger am 10.05.2019

Eine neue Matratze: Diese Anschaffung stellt viele Verbraucher vor ungeahnte Herausforderungen. Das große Angebot verwirrt. Was sollte eine gute Matratze wirklich haben, und was zählt lediglich zu den unnützen Extras?

Online-Vergleichsportale als Referenz

Bereits seit Jahrzehnten ist die Stiftung Warentest dafür bekannt, Konsumenten mit Rat und Urteil zur Seite zu stehen. Doch auch online finden sich inzwischen zahlreiche Testseiten, auf denen Matratzen verglichen und bewertet werden. Die jeweiligen Matratzen-Testsieger werden vielfach mit gutem Gewissen gekauft.

Bei der Auswahl der nächsten Schlafunterlage solltest du möglicherweise nicht allen Vergleichsseiten im Internet vorbehaltlos Glauben schenken! Immer wieder berichteten Medien in den vergangenen Jahren über verschiedene Praktiken der Matratzenindustrie. Vorwürfe wie unerlaubte Preisabsprachen zwischen den Herstellern und hoch angesetzte Preisempfehlungen („Mondpreise“) für den Handel stehen im Raum und können potentielle Kunden verunsichern.

Direktanbieter schlagen neuen Kurs ein

Am eigenen Leib verspürt haben das auch die Gründer des Online-Start-ups Snooze Project aus Berlin. Sie haben dem Matratzendschungel daraufhin mit ihrer eigenen, „ehrlichen Matratze“ den Kampf angesagt. Da sie kein Geld für Hochglanzprospekte und Verkäuferprovisionen ausgeben, sondern ihre Matratzen ausschließlich über ihren eigenen Internetshop anbieten, können sie viel stärker als herkömmliche Hersteller in die Qualität ihrer Matratzen investieren. Sie schwören auf hochwertigste Materialien geprüfter Herkunft und lassen rigoros alles weg, was nicht für mehr Schlafkomfort sorgt.

Ein schicker Name, der nach innovativer Weltraumtechnik klingt, kann dagegen rasch einige Hundert Euro mehr beim Kaufpreis ausmachen. Auch ist nur wenigen bekannt, dass Online-Testportale ihre Testprodukte nicht immer auf eigene Kosten und anonym im Handel einkaufen (wie es beispielsweise die Stiftung Warentest tut), sondern sie oft kostenlos von den Herstellern zur Verfügung gestellt bekommen.

Unter Umständen kann eine kostenlose Bemusterung oder darüber hinausgehende Partnerschaft selbstverständlich das Testurteil beeinflussen und den Tester zu einer guten Bewertung hinreißen. Diese Tatsache sollte beim Informieren auf Testseiten im Hinterkopf behalten werden.

Fehlende Offenlegung der Prüfmethoden auf Online-Testportalen

Die betroffenen Testportale berichten möglicherweise nicht immer objektiv über die von ihnen angewandten Prüfmethoden. Oft erfährt der nach Information suchende Verbraucher nicht direkt, ob und welche realen Tests durchgeführt wurden. Nach Recherchen der Fernsehsendung WDR-Servicezeit vom 19.04.2017 sind rund 30 Prozent der Online-Matratzentests reine Fakes.

Formulierungen wie „Eindruck unserer Redaktion“ können demnach bedeuten, dass lediglich ein schneller Blick auf die betreffende Matratze geworfen wurde. Auch die Testkriterien können ganz nach eigenem Belieben ausgewählt und gewichtet worden sein. Dies kann ein Hinweis darauf sein, warum die Ergebnisse deutlich von den Bewertungen durch die Stiftung Warentest abweichen können.

Viele Vergleichsportale, die im Internet über verschiedenen Produkte und Produktkategorien, wie auch Matratzen informieren, werden von sogenannten Affiliate-Unternehmen betrieben. Sie haben Partnerverträge mit Handelsplattformen und Herstellern. Für die Veröffentlichung von Tests erhalten sie eine vereinbarte Provision.

Kauft ein Kunde seine neue Matratze nachweislich durch direkte Weiterleitung auf den Onlineshop des Herstellers bzw. Händlers, kann die Provision für den Portalbetreiber bei bis zu 30 Prozent des Kaufpreises liegen.

Hilfreich: Betreiber hinterfragen

Beim Blick ins Impressum einiger Vergleichsportale kann sich herausstellen, dass Hersteller oder Händler selbst für die Vergleichsseite verantwortlich zeichnen. Selbstverständlich müssen nicht alle Empfehlungen solcher Seiten automatisch schlecht oder falsch sein, denn auch hier gibt es Händler, die ihrem Gewissen folgen und Wert auf gute Beratung legen.

Dennoch ist die relevante Frage, ob Verbraucherinteressen im Zentrum des Tests stehen oder nicht. Wenn sich das nicht bestätigen lässt, sollten die Liegeeigenschaften der nächsten Matratze lieber selbst getestet werden!

Viele Internet-Vergleichsportale wirken durchaus seriös. Preis-Leistungs-Verhältnis, Liegeeigenschaften, Ausstattung – all das ausgiebig getestet und professionell bewertet. Wenn aber im Hintergrund Provisionen für die positive Einschätzung fließen, kann die Aussagekraft des Tests hinterfragt werden.

Die Gründer von Snooze Project wollen diese Entwicklung nicht unterstützen: Mit ihrer durchdachten One-for-All-Matratze blieben sie Vergleichsseiten fern. Freiexemplare für Tester gibt es bei ihnen nicht. Sie versuchen im eigenen Blog über allerlei Themen rund um Schlaf und Matratzen aufzuklären.

Außerdem gewähren sie, wie viele andere junge Hersteller, allen Kunden, die ihre Matratze bei Snooze Project kaufen, 100 Tage und Nächte zum unverbindlichen Probeliegen - denn der Erfahrung nach ist jeder Kunde für sich selbst die beste Testperson.

Stiftung Warentest: Viele Testanordnungen alltagsfern?

Dies bestätigt sich auch in Bezug auf die von vielen Verbrauchern als verlässlich eingestufte Stiftung Warentest, die mittlerweile immer häufiger für die angewendeten Testmethoden kritisiert wird. Auch wenn hier unabhängige Tests durchgeführt werden, sind die zur Bewertung der Produkte herangezogenen Kriterien immer trendabhängig und durch die Redaktion der gleichnamigen Zeitschrift mitgeprägt.

Bei Matratzen wurden ursprünglich in der Hauptsache grundlegende Merkmale wie Liegeeigenschaften oder Haltbarkeit untersucht und mit den spezifischen Produktversprechen verglichen. Mit der Zeit kamen weitere Punkte hinzu, über deren konkrete Gewichtung zum Teil Uneinigkeit herrscht. Eine schlechte Wertung durch die Stiftung Warentest hat eine große Auswirkung auf ein Produkt und auf das Ansehen eines Herstellers. Es steht also viel auf dem Spiel.

Die enorme Durchschlagskraft eines guten oder schlechten Testurteils auf die Absatzzahlen der betreffenden Produkte führte in der Vergangenheit häufiger zu Klagen seitens der Hersteller und resultiert in einem kontroversen Verständnis der Tests.

Verbraucherschutz oder Panikmache?

Es gibt die Beobachtung, dass selbst bei geringsten, ungefährlichen Abweichungen von zum Teil veralteten Grenzwerten oder Korridoren die Stiftung Warentest unüberhörbar Alarm schlägt – nicht selten mit starkem Nachhall in Presse, Rundfunk, Fernsehen und sozialen Medien. Dies ist legitim, trägt aber in erster Linie zur Sicherung der Auflagenhöhe der gleichnamigen Monatszeitschrift und zur Statuserhaltung als wichtige Kontrollinstanz bei.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beobachtet kritisch, dass die Produktwächter der Stiftung Warentest ihre Testergebnisse häufig so kommunizieren, dass diese zu ernsten Gesundheitsrisiken aufgebauscht werden, obwohl sie in der Realität meist längst nicht akut bedrohlich sind.

Dass die im Labor nachgestellten Prüfsituationen beim haushaltsüblichen Gebrauch tatsächlich auftreten, sei eher unwahrscheinlich, sagt auch Alexander Breunig, Leiter des Spielwarenlabors des Prüfinstituts Intertek. Michael Braungart, wissenschaftlicher Leiter beim renommierten Hamburger Umweltinstitut, wirft den Warentestern gar eine „nahezu willkürliche Skandalisierung“ solcher Ergebnisse vor. In der Folge fordern auch einzelne Politiker inzwischen, das Zustandekommen der Testergebnisse transparenter offenzulegen.

Bis das geschieht, aber auch darüber hinaus, sollten alle Verbraucher selbst die Augen offen halten und informiert bleiben.